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 Betreff des Beitrags: ChatNoir - Neu hier
BeitragVerfasst: Do 5. Mär 2015, 23:50 

Registriert: So 22. Feb 2015, 16:43
Beiträge: 3
Diagnose: Rechtskonvexe Thorakolumbalskoliose, 100° nach Cobb (vor OP)
Operation: Ventrale Osteodiskektomie Th6-L1 mit Halo-Anlage am 20.06.2000,
dorsale Spondylodese Th3-L3 (?) und Thorakoplastik re. am 04.07.2000,
Orth. Uni-Klink Heidelberg, Gradzahlen nach OP unbekannt
Hallo zusammen,

ich heiße Jenny, bin 28 Jahre alt und wohne in der Pfalz.

Meine Skoliose wurde bereits im Kindesalter entdeckt, als ich ungefähr 10 Jahre alt war. Die Gradzahl wurde damals nie ausgemessen, ich bekam lediglich Krankengymnastik verschrieben. Dort ging ich regelmäßig hin, ansonsten passierte nichts :stirn:

Mit 12 Jahren (1998), wurde dann doch mal ein Röntgenbild angefertigt. Die Bilder schickte mein Orthopäde zu Prof. Carstens in die Uni-Klinik Heidelberg. In dem Bericht, der zurückkam stand folgende Diagnose: S-förmige Skoliose, Typ King II, Verkrümmung thorakal 54°, lumbal 30°. Außerdem wurde die OP empfohlen, sowie eine klinische Untersuchung vor Ort.

Ich wurde in den Entscheidungsprozess nie mit einbezogen. Ich wusste irgendwann nur, dass ich operiert werden muss. Von anderen Behandlungsmöglichkeiten habe ich nie etwas erfahren. Korsett, Schroth, Reha, das alles kannte ich nicht. - Der Orthopäde offenbar auch nicht, oder er hielt nichts davon :kopfkratz:
Im Sommer 1999 hatten meine Eltern mit mir dann den vorgeschlagenen Untersuchungstermin in der Klinik in Heidelberg. Neu angefertigte Röntgenbilder ergaben, dass ich inzwischen schon eine Verkrümmung von 80 Grad hatte. Empfehlung: derotierende ventrale Spondylodese Th10-L1.

Schlussendlich wurde ich ein Jahr später mit einer Skoliose von 100 Grad operiert.
Die Zeit in Kurzzusammenfassung: 5 Wochen Krankenhausaufenthalt, 2 OP's, 2 Wochen Halo, über eine Woche Intensivstation, viele Schmerzen.
Ich habe das alles damals als sehr schlimm empfunden, vor allem weil alles über meinen Kopf hinweg passiert ist.
Aus dem OP-Bericht: ventrale Osteodiskektomie Th6-L1 mit Halo-Anlage, dorsale Spondylodese (Th3-L3?) und Thorakoplastik re.

Dieses Jahr wird das alles 15 Jahre her sein. Es ging und geht mir körperlich - bis auf die üblichen Einschränkungen und "manche kleinere Problemchen" - gut :thumbsup:
Mein Jubiläum dieses Jahr möchte ich zum Anlass nehmen mal wieder zu einer Nachuntersuchung zu gehen. Die letzte war 2003. Ich weiß nur noch nicht wohin. In meine OP-Klinik möchte ich nur sehr ungerne, auch wenn es von der Entfernung das naheliegendste für mich wäre.
Wo geht ihr so hin, wenn eure OP schon länger her ist? Einen behandelnden Orthopäden habe ich schon lange nicht mehr...
Überhaupt habe ich das Thema in den letzten gut 10 Jahren sehr verdrängt. Zu Hause habe ich auch von Anfang an nach der OP vermittelt bekommen, dass meine Krankheit nicht mehr existiert und jetzt alles in Ordnung zu sein hat.

Das war fürs Erste meine Skoliose-Geschichte. Ich hoffe es ist nicht zu lang geworden ;)
Ich freue mich schon auf weiteren Austausch, da ich außerhalb des Krankenhauses nie jemanden kennen gelernt habe, der ähnliches durchgemacht hat und mit dem ich meine Erfahrungen teilen konnte.

Viele Grüße,
Chat Noir


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 Betreff des Beitrags: Re: ChatNoir - Neu hier
BeitragVerfasst: Fr 6. Mär 2015, 09:10 
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Registriert: Mi 20. Aug 2014, 07:55
Beiträge: 96
Diagnose: vor OP: thoralumbale juvenile /adoleszente Skoliose, ca. 55°
Operation: 1997 Versteifung Th3 - L5 / Hessing-Klinik Augsburg; kaum Restgrade, sehr gutes OP-Ergebnis
Hallo Jenny,

herzlich willkommen :thumbsup:
Meine OP ist jetzt knapp 18 Jahre her. Auch mir geht es bis auf die durch die Versteifung unweigerlich auftretenden Bewegungseinschränkungen richtig gut. Eine Nachuntersuchung habe ich nach 15 Jahren vornehmen lassen (ohne konkrete Beschwerden). Da ich zwischenzeitlich seit über 10 Jahren keinen Orthopäden mehr hatte - es bestand einfach kein Bedarf - stellte sich für mich auch die Frage, wo ich diese Nachuntersuchung durchführen lassen sollte. Aufgrund meines Wohnorts bot sich Heidelberg sehr an, sodass ich mich dort untersuchen ließ (ich wurde in der Hessing-Klinik Augsburg operiert, hätte auch bei einer Nachuntersuchung dort kein schlechtes Gefühl gehabt, aber die Anfahrt wäre viel weiter gewesen).
Die Kontrolluntersuchung zeigte keine Auffälligkeiten; weitere Kontrollen würde ich erst bei auftretenden Beschwerden durchführen lassen.

ChatNoir hat geschrieben:
Zu Hause habe ich auch von Anfang an nach der OP vermittelt bekommen, dass meine Krankheit nicht mehr existiert und jetzt alles in Ordnung zu sein hat.

Das kenne ich leider auch - wennauch ich selbst nie so gedacht habe.
Dass ich zwischenzeitlich keinen Orthopäden mehr aufsuchte, lag vor allem daran, dass meine Kindheit und Jugend sehr von Arztbesuchen, Orthopädietechnikerbesuchen, Physiotherapiebesuchen, Korsetttragen, regelmäßigen Fahrten in die Klinik zu Vor- und Nachuntersuchungen... geprägt war. Sobald das nicht mehr nötig war, wollte ich mich davon befreien und einfach "drauflos leben". Außerdem ging es mir so, dass man mir viele der (für mich auch machbaren) Dinge weniger zutraute, wenn ich hier und dort in Behandlung war.
Ich habe allerdings meine Einschränkungen immer als solche akzeptiert und mich auch nie geschämt, z.B. eine Sportbefreiung zu haben und zu sagen, dass ich bei bestimmten Dingen aus diesem und jenem Grund nicht mitmachen kann (Dinge, die gar nicht gehen) oder nicht mitmachen möchte (Dinge, die grenzwertig sind).

Viele Grüße
Raven

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MeineRB


Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um so zu sein, wie andere mich haben wollen.


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 Betreff des Beitrags: Re: ChatNoir - Neu hier
BeitragVerfasst: So 8. Mär 2015, 13:21 

Registriert: So 22. Feb 2015, 16:43
Beiträge: 3
Diagnose: Rechtskonvexe Thorakolumbalskoliose, 100° nach Cobb (vor OP)
Operation: Ventrale Osteodiskektomie Th6-L1 mit Halo-Anlage am 20.06.2000,
dorsale Spondylodese Th3-L3 (?) und Thorakoplastik re. am 04.07.2000,
Orth. Uni-Klink Heidelberg, Gradzahlen nach OP unbekannt
Hallo Raven,

:danke: für die nette Begrüßung!!
Interessant, dass du zur Nachuntersuchung vor gar nicht so langer Zeit in Heidelberg warst. Wie gesagt, an sich wäre es für mich auch von der Entfernung am günstigsten. Habe aber ein paar Zweifel auf Grund meiner früheren Erfahrungen mit der Klinik.

In welcher Sprechstunde warst du? In der Wirbelsäulenambulanz von Dr. Wiedenhöfer? Wie waren deine Erfahrungen dort?
In der Kinderambulanz war es halt so, dass man fast den ganzen Tag dort verbracht hat (sehr lange Wartezeiten) und dann meistens nur von einem Assistenzarzt oder AIP'ler untersucht wurde. Jemanden, der sich wirklich auskannte, hat man selten gesehen. Nun kommt ja aber die Kinderamublanz auf keinen Fall mehr in Frage und es sind viele Jahre vergangen. Ist es heute anders? Wäre nett, wenn du vielleicht mal berichten könntest wie es bei deiner Nachuntersuchung ablief.

Raven hat geschrieben:
Dass ich zwischenzeitlich keinen Orthopäden mehr aufsuchte, lag vor allem daran, dass meine Kindheit und Jugend sehr von Arztbesuchen, Orthopädietechnikerbesuchen, Physiotherapiebesuchen, Korsetttragen, regelmäßigen Fahrten in die Klinik zu Vor- und Nachuntersuchungen... geprägt war. Sobald das nicht mehr nötig war, wollte ich mich davon befreien und einfach "drauflos leben".

Das war bei mir ähnlich. Ich hatte - auch noch auf Grund anderer gesundheitlicher Probleme - in meiner Kindheit viele Arztbesuche hinter mir. Nach der Zeit in der Klinik und den OPs hatte ich dann endgültig genug. Ich habe Krankenhaus- und Arztbesuche irgendwann regelrecht verweigert. Bin auch heute kein großer "Arztgänger" und probiere es eher zu vermeiden wo es nur geht.
Dennoch denke ich bei meinem Rücken wäre es mal wieder Zeit, zu erfahren ob alles OK ist. Bin auch nach meinem Studium vor knapp 2 Jahren ins Berufsleben eingestiegen und merke doch, dass sich vermehrt Verspannungen etc. (durch Fehl- /Überbelastung?) bemerkbar machen.

Raven hat geschrieben:
Ich habe allerdings meine Einschränkungen immer als solche akzeptiert und mich auch nie geschämt, z.B. eine Sportbefreiung zu haben und zu sagen, dass ich bei bestimmten Dingen aus diesem und jenem Grund nicht mitmachen kann (Dinge, die gar nicht gehen) oder nicht mitmachen möchte (Dinge, die grenzwertig sind).

Ich bin leider erst seit den letzten Jahren dabei das zu lernen. Und es fällt mir nicht immer leicht. Mache beispielsweise mit meinen Arbeitskollegen privat auch viel zusammen (sind alle etwa gleichaltrig oder etwas jünger als ich) und da kommen auch viel sportliche Vorschläge: Rudern, Bowlen, Kletterpark, Schlittschuhlaufen, Yoga-Kurs... Da sage ich mittlerweile auch klar, wenn etwas nur mit Einschränkungen geht (Bowlen z.B. nicht so viele Runden) oder ich merke, dass etwas gar nicht geht (Yoga habe ich z.B. ein paar Mal ausprobiert und muss sagen, es sind sehr viele Bewegungen dabei, die nicht gehen/schädlich sind und gehe nicht mehr mit). Das wird im Grunde auch akzeptiert, aber es kommen schon auch Bemerkungen wie "... aber man sieht und merkt dir ja gar nichts an". Das stimmt und ich bin auch froh, dass ich so gut gerlernt habe die Bewegungen zu kompensieren, aber die Versteifung existiert halt trotzdem.
Für meine Eltern existierten auch nie irgendwelche Einschränkungen. Da kamen und kommen halt immer nur so Bemerkungen wie "du bis jung und hast zwei gesunde Beine", "stell dich nicht so an."... :shock: Für sie gibt es diese OP nicht mehr und sie hat in ihren Augen keine Folgen oder Auswirkungen. Man erwaret von jeher, dass ich alles kann wie jemand ohne Versteifung. Leider habe ich dem auch immer sehr gut entsprochen.

Naja, heute bin ich erwachsen und wohne auch weiter weg von zu Hause (sprich: wir sehen uns nicht so häufig) und ich möchte an dieser Einstellung etwas ändern. Und bin dabei, mehr Rücksicht auf meine Grenzen und meine Wirbelsäule zu nehmen. Schließlich muss ich noch viele Jahrzehnte damit leben und das möchte ich natürlich so gut wie bisher :)

So, das ist nun doch wieder etwas länger geworden, als gewollt. Aber es ist schön, hier auf andere Langzeitoperierte zu treffen ;)

Liebe Grüße,
Chat Noir


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 Betreff des Beitrags: Re: ChatNoir - Neu hier
BeitragVerfasst: So 8. Mär 2015, 13:43 
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Beiträge: 96
Diagnose: vor OP: thoralumbale juvenile /adoleszente Skoliose, ca. 55°
Operation: 1997 Versteifung Th3 - L5 / Hessing-Klinik Augsburg; kaum Restgrade, sehr gutes OP-Ergebnis
Hallo ChatNoir,
ChatNoir hat geschrieben:
In welcher Sprechstunde warst du? In der Wirbelsäulenambulanz von Dr. Wiedenhöfer? Wie waren deine Erfahrungen dort?

genau, dort war ich. Ich fand das Vorgehen dort freundlich und "vernünftig", die aktuellen Röntgenbilder wurden mit den von mir mitgebrachten verglichen.
Zur Dauer: Ich war dort einige wenige Stunden; Anamnese, Abtasten, Röntgen (Ganzwirbelsäulenaufnahme vorne, hinten). Röntgenbilder gab es auf CD-ROM zum Mitnehmen.
Da bei mir nicht viel angefallen ist - z.B. keine Beratung bzgl. Beschwerden, da ich keine Beschwerden habe, und auch keine Behandlungsempfehlungen, da alles in Ordnung ist - , kann ich zu Eindruck und Erfahrungen wenig sagen. Jedenfalls, abraten würde ich von der dortigen Wirbelsäulenambulanz nicht.


Raven hat geschrieben:
Dennoch denke ich bei meinem Rücken wäre es mal wieder Zeit, zu erfahren ob alles OK ist. Bin auch nach meinem Studium vor knapp 2 Jahren ins Berufsleben eingestiegen und merke doch, dass sich vermehrt Verspannungen etc. (durch Fehl- /Überbelastung?) bemerkbar machen.

Berufstätig bin ich schon lange, da ich mit 16 Jahren eine Berufsausbildung gemacht habe, danach ein paar Jahre gearbeitet, Abitur nachgeholt (währenddessen weitergearbeitet), diverse Nebenjobs im Studium (v.a. in den "Semesterferien" Vollzeit gearbeitet), und mittlerweile seit mehr als zwei Jahren wieder arbeite.
Dass ich den Job gewechselt habe, hat übrigens nichts mit gesundheitlichen Problemen zu tun, sondern mit Interessen. Ich arbeite in einem technischen Büroberuf, d.h. folgende üblichen Arbeitsabläufe/-belastungen: hohe Wochenstundenzahl (aktuell 50 - 60), fast ausschließlich Arbeit am PC, freie Zeiteinteilung (automatisch flexible Arbeitszeiten und Möglichkeiten für Homeoffice; ich musste das nicht erst speziell mit dem Arbeitgeber vereinbaren), etwa alle ein bis zwei Monate ein dienstlicher Aufenthalt in den USA von ca. 1 - 2 Wochen Dauer.
Damit komme ich gut zurecht :) Wie sieht es bzgl. deiner Arbeit aus?

Raven hat geschrieben:
Ich bin leider erst seit den letzten Jahren dabei das zu lernen. Und es fällt mir nicht immer leicht. Mache beispielsweise mit meinen Arbeitskollegen privat auch viel zusammen (sind alle etwa gleichaltrig oder etwas jünger als ich) und da kommen auch viel sportliche Vorschläge: Rudern, Bowlen, Kletterpark, Schlittschuhlaufen, Yoga-Kurs...

Ich kenne das sehr gut. Da ich in einem technischen Beruf arbeite, an einer technischen Schule mein Abitur nachholte und auch meine Berufsausbildung in einem technischen Beruf absolviert habe, ist es sehr häufig der Fall, dass Betriebsausflüge, freie Nachmittage bei Kongressen, Aktionen bei Betriebsfesten oder auch angekündigte private Unternehmungen unter Kollegen wie von dir beschrieben ablaufen: sportliche Inhalte, lange Anreisen per Bus oder Auto (ich bekomme da Probleme mit dem Sitzen), einfache Hostels, auch mal auf die Idee kommen die sightseeing-Tour gleich nach Ankunft noch mit Koffer dabei machen :o , oder "Überraschungs-Unternehmungen" (wo sich eine "kleine soziale Veranstaltung nach dem Konferenzdinner" einfach mal als Eisstockschießen herausstellt :stirn: )... Die anderen sind so alt wie ich oder jünger, und zumeist sehr fit und sportlich, überwiegend männlich. Ich sehe das oft auch bei Reisen: Ich komme mit dem Rollkoffer, die anderen mit dem Trekkingrucksack mit Bauchgurt (bei dem Tragegewicht müssen die Leute ziemlich fit sein), und dann wundern die sich, warum ich mein Gepäck einchecke "obwohl das doch noch ins Handgepäckfach passt" und finden's witzig, dass ich mit dem in ihren Augen "unpraktischen" Rollkoffer auf Kopfsteinpflaster eben etwas weniger schnell voran komme :?
Da bleibt mir gar nichts anderes übrig, als meine Einschränkungen zu benennen und auf "Extras" deutlich hinzuweisen. Was mal besser, mal schlechter klappt. Erfahrungsgemäß klappt das gegenüber Leuten, die etwas älter sind als ich (und ggf. schon selbst körperliche Einschränkungen kennen?) besser, und ebenso klappt es mit zunehmenden eigenen Alter besser. Einer 31-jährigen nimmt man Wirbelsäulenprobleme eben doch etwas mehr ab, als einer 13-jährigen.
Raven hat geschrieben:
Das wird im Grunde auch akzeptiert, aber es kommen schon auch Bemerkungen wie "... aber man sieht und merkt dir ja gar nichts an". Das stimmt und ich bin auch froh, dass ich so gut gerlernt habe die Bewegungen zu kompensieren, aber die Versteifung existiert halt trotzdem.

Das ist bei mir nicht anders. Oft wird es erstmal nicht so ernst genommen, und - es wundert ja auch nicht - nicht verstanden, warum vermeintlich leichte Dinge wie z.B. irgendwo durchschlüpfen oder auf dem Boden sitzen oder 9 Stunden in einem Bus sitzen für mich mühsam sind, aber vermeintlich anstrengendere Dinge wie Bergwandern von mir gut bewältigt werden können.

Raven hat geschrieben:
Für meine Eltern existierten auch nie irgendwelche Einschränkungen. Da kamen und kommen halt immer nur so Bemerkungen wie "du bis jung und hast zwei gesunde Beine", "stell dich nicht so an."... :shock: Für sie gibt es diese OP nicht mehr und sie hat in ihren Augen keine Folgen oder Auswirkungen. Man erwaret von jeher, dass ich alles kann wie jemand ohne Versteifung. Leider habe ich dem auch immer sehr gut entsprochen.

... kenne ich auch sehr gut. Rücksicht haben meine Eltern nur im ersten Jahr nach OP genommen (durch die nichtprimärstabilen Implantate ging da eben gar nix), danach entweder keine Rücksicht (z.B. Haushalt, Arbeitsmithilfe auf dem Land, lange Fahrten), oder vermeintliche "Rücksicht" um mich unnötig unselbstständig darzustellen (z.B. ich könne ja bestimmt nicht alleine wohnen, einen Führerschein machen). Nur, weil mir bestimmte Dinge in der Arbeitsweise und im Arbeitstempo gesunder gleichaltriger Leute schwer fallen, heißt das ja nicht zwingend, ich könne sie gar nicht. Z.B. Autofahren: wenn ich selber fahre, mache ich mehr Pausen. Oder z.B. Haushalt: da mache ich auch manches anders, und komme dann gut zurecht.

Raven hat geschrieben:
Naja, heute bin ich erwachsen und wohne auch weiter weg von zu Hause (sprich: wir sehen uns nicht so häufig)

Das gilt auch für mich.
Zitat:
und ich möchte an dieser Einstellung etwas ändern. Und bin dabei, mehr Rücksicht auf meine Grenzen und meine Wirbelsäule zu nehmen. Schließlich muss ich noch viele Jahrzehnte damit leben und das möchte ich natürlich so gut wie bisher :)

Finde ich gut, und ich hoffe, das Forum kann dir dabei helfen :thumbsup:

Viele Grüße
Raven

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MeineRB


Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um so zu sein, wie andere mich haben wollen.


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 Betreff des Beitrags: Re: ChatNoir - Neu hier
BeitragVerfasst: Di 10. Mär 2015, 21:41 

Registriert: So 22. Feb 2015, 16:43
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Diagnose: Rechtskonvexe Thorakolumbalskoliose, 100° nach Cobb (vor OP)
Operation: Ventrale Osteodiskektomie Th6-L1 mit Halo-Anlage am 20.06.2000,
dorsale Spondylodese Th3-L3 (?) und Thorakoplastik re. am 04.07.2000,
Orth. Uni-Klink Heidelberg, Gradzahlen nach OP unbekannt
Hallo Raven,

vielen Dank für deinen Efahrungsbericht über die Nachuntersuchung in Heidelberg. Das hört sich ja gar nicht so schlecht an ;) Vielleicht sollte ich es doch nochmal versuchen. Obwohl es sicher komisch wird, die Klinik nach so langer Zeit wieder zu betreten...:scared:

Raven hat geschrieben:
Wie sieht es bzgl. deiner Arbeit aus?

Ich habe auch eine überwiegend sitzende Tätigkeit (Büro-/ PC-Tätigkeit) und arbeite Vollzeit. Kann mir meine Arbeitszeit in einem gewissen Rahmen frei einteilen (Gleitzeit) und meine Pausenzeiten ganz flexibel gestalten. In der Regel kann ich auch meine Arbeit jederzeit unterbrechen und aufstehen (auf Toilette, zum Drucker gehen, Kollegen "besuchen" etc.). Ab und zu arbeite ich auch im Kundenkontakt, dann geht das natürlich nicht, kommt aber wirklich selten vor.
Ich denke, was auf jeden Fall auch eine Rolle spielt, ist mein langer Anfahrtsweg zur Arbeit. Ich pendel jeden Tag pro Strecke ca. 1,5 Studen (davon 1 Stunde reine Fahrtzeit in der S-Bahn). Da wird das Sitzen irgendwann schon anstrengend und führt zu Verspannungen. Ich hoffe aber, dass sich dieses Jahr noch etwas daran ändert und ich in die Stadt ziehen kann, in der ich auch arbeite :)

Raven hat geschrieben:
Rücksicht haben meine Eltern nur im ersten Jahr nach OP genommen (durch die nichtprimärstabilen Implantate ging da eben gar nix), danach entweder keine Rücksicht (z.B. Haushalt, Arbeitsmithilfe auf dem Land, lange Fahrten), oder vermeintliche "Rücksicht" um mich unnötig unselbstständig darzustellen (z.B. ich könne ja bestimmt nicht alleine wohnen, einen Führerschein machen).

Ich hatte das Glück nach der OP kein Korsett mehr zu brauchen (wäre die OP nur 1-2 Jahre früher gewesen, wäre das ja durchaus noch anders gewesen) und soweit alles zu dürfen (abgesehen vom Sportverbot). Das hieß aber auch, dass ich sehr viel gleich wieder können musste. Bereits wenige Wochen nach Entlassung ging ich wieder voll zur Schule, musste 6 oder mehr Studen sitzen, mit dem Bus zur Schule fahren, lange Tagesausflüge mitmachen. Ob das geht, ob das beschwerlich ist, ob ich dabei Schmerzen habe (was gerade anfangs der Fall war), haben sich meine Eltern nie gefragt.
Heute kann ich glücklicherweise selber bestimmen, was mir gut tut und was nicht. Auch wenn es mir nicht immer leicht fällt das gegenüber anderen zur Sprache zu bringen und durchzusetzen.

Viele Grüße,
Chat Noir


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 Betreff des Beitrags: Re: ChatNoir - Neu hier
BeitragVerfasst: Di 10. Mär 2015, 21:54 
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Diagnose: vor OP: thoralumbale juvenile /adoleszente Skoliose, ca. 55°
Operation: 1997 Versteifung Th3 - L5 / Hessing-Klinik Augsburg; kaum Restgrade, sehr gutes OP-Ergebnis
Hallo,
ChatNoir hat geschrieben:
Ich habe auch eine überwiegend sitzende Tätigkeit (Büro-/ PC-Tätigkeit) und arbeite Vollzeit. Kann mir meine Arbeitszeit in einem gewissen Rahmen frei einteilen (Gleitzeit) und meine Pausenzeiten ganz flexibel gestalten. In der Regel kann ich auch meine Arbeit jederzeit unterbrechen und aufstehen (auf Toilette, zum Drucker gehen, Kollegen "besuchen" etc.). Ab und zu arbeite ich auch im Kundenkontakt, dann geht das natürlich nicht, kommt aber wirklich selten vor.

dann ist das wirklich sehr vergleichbar - bis auf das, dass ich keinerlei Kundenkontakt habe. Jederzeit unterbrechen zu können, wie von dir beschrieben, ist für mich ganz wichtig. Ich schaffe Vollzeit, auch mit Überstunden (letzteres ist in meinem Beruf die Regel) gut, aber ich brauche meine Pausen. Wie es mir ergeht, wenn es tatsächlich nur die Mittagspause gibt und ich ansonsten am Platz bleiben muss - z.B. bei fortlaufender Überwachung laufender Experimente -, habe ich zum Teil in Praktika während des Studiums festgestellt: jeden Tag starke Rückenschmerzen, die weder über Nacht noch übers Wochenende verschwinden. Ganz fies wurde es, wenn es sich dann um keinen Büro- sondern einen Werkstattplatz handelte, der üblicherweise wenig ergonomisch ist (nichts höhenverstelbar, alles vollgestellt, öfter "mal schnell" in Hocke irgendwo herumschrauben oder "mal eben was halten" :( ).
ChatNoir hat geschrieben:
Ich denke, was auf jeden Fall auch eine Rolle spielt, ist mein langer Anfahrtsweg zur Arbeit. Ich pendel jeden Tag pro Strecke ca. 1,5 Studen (davon 1 Stunde reine Fahrtzeit in der S-Bahn). Da wird das Sitzen irgendwann schon anstrengend und führt zu Verspannungen. Ich hoffe aber, dass sich dieses Jahr noch etwas daran ändert und ich in die Stadt ziehen kann, in der ich auch arbeite :)

Das macht viel aus. Zur Abwechslung Stehen in öffentlichen Verkehrsmitteln ist mir sehr unangenehm, da ich bei den Fahrbewegungen schnell stürze oder gegen eine Haltestange falle. Lässt sich eben mit einer langstreckig versteiften Wirbelsäule nicht so gut ausbalancieren.

Raven hat geschrieben:
Ich hatte das Glück nach der OP kein Korsett mehr zu brauchen (wäre die OP nur 1-2 Jahre früher gewesen, wäre das ja durchaus noch anders gewesen) und soweit alles zu dürfen (abgesehen vom Sportverbot).

Bei mir war es noch die nicht primärstabile mit allen Einschränkungen: mind. halbes Jahr Korsett, Korsett rund um die Uhr (durfte vorsichtig von meinen Eltern zur Körperpflege entfernt werden), sogar sechs Monate Sitzverbot (wegen der L5-Versteifung in Kombination mit nicht primärstabil). Zu der Zeit war ich deutlich erkennbar sehr stark eingeschränkt und unbedingt auf Hilfe und Pflege angewiesen, konnte nur liegen und stehen/gehen, sowie sehr leichte Tätigkeiten im Stehen (schreiben, zeichnen, selber essen etc.).
Raven hat geschrieben:
Das hieß aber auch, dass ich sehr viel gleich wieder können musste. Bereits wenige Wochen nach Entlassung ging ich wieder voll zur Schule, musste 6 oder mehr Studen sitzen, mit dem Bus zur Schule fahren, lange Tagesausflüge mitmachen. Ob das geht, ob das beschwerlich ist, ob ich dabei Schmerzen habe (was gerade anfangs der Fall war), haben sich meine Eltern nie gefragt.

Das war bei mir die erste Zeit "rein mechanisch" nicht möglich, siehe Sitzverbot. Schulunterricht hatte ich in der Zeit als Hausunterricht. Nach einem Jahr war es aber wie von dir beschrieben: vieles sehr beschwerlich, und es hat die meisten Leute reichlich wenig interessiert, ob und wie ich bei dem mithalten soll, was für typische 14-jährige gemacht ist.
Schmerzen hatte/habe ich v.a. bei langem Sitzen, sowie bei Körperhaltungen, die nicht "reines" Stehen, Sitzen oder Liegen sind, sondern irgendwie dazwischen (z.B. vornüber gebeugt an einem Tisch arbeiten, in die Hocke gehen und in der Position verbleiben).

Viele Grüße
Raven

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