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 Betreff des Beitrags: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Mi 15. Jul 2015, 23:07 
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Operation: 27.10.2010, WWK Bad Wildungen, Th3-L1, nach OP 60° Kyphose (30° im versteiften Bereich), Skoliose unter 10°
Hallo Foris,

ich habe seit gestern eine neue Orthese, von der ich euch berichten wollte. Sie ist ein sogenanntes "modizifertes Rahmenstützkorsett" oder wird auch Wirbelsäulenentlaster genannt. Der Hersteller heißt Kubco. (http://www.kubco.ch) In Sobernheim wird es wohl auch immer öfter erwachsenen Schmerzpatienten verschrieben, gibt auch eine Studie dazu, siehe Homepage.

Bild

Ich habe die Orthese zufällig im Internet gesehen - fand sie ausgesprochen sympathisch und bin zu meinem Orthopäden marschiert, mit der Bitte mir sowas zu verschreiben. Hat er auch tatsächlich gemacht, obwohl er etwas skeptisch geschaut hat. ;-)

Die Orthese ist wohl hauptsächlich dazu da, die Lendenwirbelsäule zu entlasten und somit zu entschmerzen, aber trotzdem noch Bewegung zu ermöglichen. Sie korrigiert zwar dabei auch ein wenig (sowohl Skoliosen als auch Kyphosen), das ist aber mehr ein kleiner Nebeneffekt, bzw diese kleinen Korrekturen dienen der Schmerzentlastung.
Aufgrund der Beweglichkeit ist die Orthese nicht dazu geeignet Skoliosen ersthaft begradigen zu wollen, erst recht nicht bei Kindern und Jugendlichen.
Ich selbst bin von Th3-L1 versteift und habe darunter aber noch eine Hyperlordose und eine leichte Skoliose. Von L2-S1/ISG habe ich also wegen der vermehrten Belastung und den Krümmungen häufig starke Schmerzen und Blockaden. Mal weiter oben, mal weiter unten, mal überall... Eine Komplettversteifung möchte ich natürlich vermeiden, aber wirklich ein Zustand ist das gerade auch nicht wirklich.
Mit klassischen Lumbalbandagen kam ich nicht weit - Die sind zu kurz, stützen zu wenig, passen nicht richtig, zwicken, verrutschen und hängen bei meiner Hyperlordose auch noch wunderbar in der Luft... habe für stärkere Belastung (also wenn ich zum Beispiel viel Laufen und Stehen musste) auch schon stabilere Ledermieder und dergleichen ausprobiert, die sehr wenig Bewegung zulassen. Das entlastet zwar dann bei mir den oberen LWS-Bereich , dafür wird es darunter dann noch schlimmer...

Das Rahmenstützkorsett ist für mich glaube ich ideal. Es entlastet wirklich die LWS, man wird durch die ausgeklügelte Pneumatik ein wenig gestreckt und korrigiert, ist aber durchaus noch beweglich. Natürlich nicht mehr ganz so sehr wie vorher, aber ich empfinde die Bewegungseinschränkung kaum stärker, als mit einer Lumbalbandage. Neigen und Beugen geht gut, einzig die Drehung wird deutlicher verhindert, aber das merkt man im Alltag kaum finde ich. Die Orthese ist mit Gipsabdruck und viel "an-mir-rumschrauben" genau auf mich angepasst worden und sitzt nun wirklich gut. Da drückt nichts und sie verrutscht auch nicht, was mir bisher immer passiert ist, egal ob Bandage oder Chenau-Korsett. Auch im sitzen sitzt das Ding, wo es sitzen soll. :-) Die obere Spange liegt auch über meinen Schrauben, an denen ich sehr Druckempfindlich bin; dank geschickter Polsterung nach Wunsch ist aber auch das kein Problem.

Die Spangen am Rücken sind relativ fest, aber allgemein gut gepolstert und aufbiegbar. Vorne hat man ein festes Stoffteil mit Klettverschlüssen, ähnlich wie bei Lumbalbandagen. Die Pneumatikkolben werden genau ausgerichtet um einen dann "gerade" ein paar cm nach oben zu bewegen und die Führunggsschiene am Rücken verhindert, dass sich das alles unplanmäßig verdreht oder verschiebt. Beim anziehen muss man die Kolben mit einer Art Fahrradpumpe selber aufpumpen, die nimmt man dann wieder ab und verstaut den Schlauch an der Orthese.

Wenn ich das Teil nun anhabe spüre ich eine leichte Korrektur, aber vor allem eine Entlastung. Wenn ich Schmerzen durch Belastung habe und ziehe das Ding an, sind sie bisher tatsächlich schnell rückläufig. Ich glaube ich kann damit auch schneller laufen und kommt sogar etwas besser aus Stühlen hoch.
Trotz der Korrektur habe ich das Gefühl, dass meine Muskulatur aktiv arbeitet und ich nicht komplett "drinhänge". Es bewegt sich dank der Pneumatiken einfach mit wenn ich mich bewege und unterstützt mich, nimmt mir aber keine Arbeit komplett ab.

Ich hatte auch richtig Glück und habe die Orthese schnell angepasst bekommen, und zwar bei einer Schulung vom Hersteller für ein Sanitätshaus - auf gut Deutsch, der Hersteller hat es mir höchstpersönlich angepasst und ich behaupte mal, dass er das gut gemacht hat.

Langzeigprognosen kann ich natürlich noch nicht stellen, doch macht die Orthese auf mich einen sehr guten ersten Eindruck und ich habe wirklich Hoffnung, dass sie mir bei Alltag und Hobby eine Hilfe ist. Ich denke nicht dass ich sie ständig tragen werde (das ist auch nicht erforderlich), sondern vor allem in Belastungssituationen oder wenn die Schmerzen allgemein zunehmen. Ich vermute dass es auf 2-5h pro Tag hinauslaufen wird, mal sehen.

Die Orthese ist wohl für fast jeden Erwachsenen geeignet, der im (unversteiften) LWS- Bereich Belastungsschmerzen hat, die bei Entlastung besser werden. Das Betrifft also Skoliosen, Lordosen/Kyphosen, Bandscheibenvorfälle und eine Reihe anderer Diagnosen.
Ich werde euch auf dem laufenden halten ob es mir längerfristig gut tuf, im Augenblick gehe ich aber wirklich davon aus.

Sie trägt bei nicht-knallenger-Kleidung darüber relativ wenig auf, totale Schlabberkleidung ist zum Glück nicht notwendig. Bei mir am Rücken sieht man es leider ein klein wenig mehr, weil ich da ein paar Zusatzpölsterchen drin habe, aber was solls. Ich denke ich werde die Orthese im Sommer wohl auch einfach über einem schwarzen T-Shirt o.ä. tragen und mich nicht zu Tode schämen. ;-)
(gibt auch andere Farben..)

Image

Falls noch jemand so ein Ding hat würde ich mich auch gerne mit ihm austauschen. Ansonsten wollte ich einfach erzählen dass es das gibt, für den ein oder anderen ist es vielleicht eine Option, sowohl vor als auch gegebenenfalls nach der OP, falls die LWS teilweise unversteift geblieben ist.

Liebe Grüße,
Divided

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 Betreff des Beitrags: Re: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Do 16. Jul 2015, 08:17 
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Hallo Divided,

danke für deinen Bericht. Ich habe ihn mit Interesse gelesen, auch, wenn bei mir eine solche Behandlung aktuell und auch tendenziell auf längere Sicht nicht in Frage kommt (die eben längere Versteifung als bei dir, und bin nachwievor im normalen Alltag schmerzfrei).

Zitat:
Ich denke ich werde die Orthese im Sommer wohl auch einfach über einem schwarzen T-Shirt o.ä. tragen und mich nicht zu Tode schämen.

Würde ich auch machen. Es sieht, finde ich, auch weniger ungewöhnlich als ein Skoliose-Korrekturkorsett aus, und es lässt sich wohl über Kleidung tragen, ohne dass die Kleidung drückende Falten wirft (also nicht wie bei üblichen Skoliose-Korsetts, dass man am besten bloß ein enges Unterhemd drunter trägt)?
Bzgl. Kaschieren einer Orthese sage ich mir, auch wenn ich keine trage: Kaum einer käme auf die Idee, über einer Beinorthese nach einer Verletzung nochmal eine Hose drüberzutragen, damit die Orthese kaschiert ist. Ich sehe so oft Leute mit einer normalen Hose und Beinorthese drüber. Warum dann über eine Rückenorthese nochmal extradicke Kleidung drüber, um sie zu kaschieren? Die Orthese sieht nicht ungewöhnlich aus, man sieht natürlich, das ist etwas Medizinisches; wenn ich nicht wüsste, wozu es gedacht ist, würde ich denken, da hatte jemand kürzlich einen Unfall, eine Sportverletzung oder eine kleinere Wirbelsäulen-OP.
Ggf. Leuten, die dich kennen und mit denen du näher zu tun hast (Sport, Hobby) wirst du es wahrscheinlich sowies erklären, ansonsten könnte man ggf. denken, du trägst die Orthese, weil es dir viel schlechter geht und du könntest mit weniger mitmachen als zuvor ohne.

Viele Grüße
Raven

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 Betreff des Beitrags: Re: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Do 16. Jul 2015, 21:01 

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Liebe Divided,
danke für Deine Info, ich habe von so einer Orthese noch nie zuvor gehört. Ich hoffe, Du wirst damit schmerzfrei und glücklich. Falls ich mit meiner Lumbalbandage (der letzte unversteifte Wirbel L5 ist Matsch) nicht mehr zurecht komme, werde ich Dir sicherlich Löcher in den Bauch fragen. Für heute belasse ich es bei zwei Fragen. Ist dieses Korsett bereits in den großen Skoliosezentren im Einsatz? Z.B. Neustadt und Vogtareuth ... . Wie hast Du von dieser Orthese erfahren?
Herzliche Grüße
Schildkröte


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 Betreff des Beitrags: Re: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Do 16. Jul 2015, 21:43 
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Hallo Schildkröte,

auf komplette Schmerzfreiheit wage ich nicht zu hoffen und halte ich für unrealistisch, aber ich bin für jedes Quäntchen weniger Schmerz sehr dankbar. ;-)

Ich weiß leider nicht genau ob es "nur" bei L5 noch Sinn macht und so tief ernsthaft noch entlasten kann, da müsste man mal den Hersteller fragen. Auf der Homepage kann man die einfach anschreiben, bei mir hatten sie recht zügig und freundlich geantwortet.
Wobei es ja auf dem Becken/Hüftknochen aufsitzt, also könnte es eigentlich schon gehen.. *grübel*

Ich hab eigentlich durch Zufall davon erfahren. Ich hatte das Internet zwar schon öfter nach ähnlichen Orthesen durchsucht aber leider nie etwas brauchbares gefunden. Die Kubco-Orthese hat Dr. Kay Steffan erwähnt, der Chefarzt der Katharina-Schroth-Klinik in Bad Sobernheim, und zwar in irgendeiner Facebook-Diskussion. (Ich glaube da ging es um Muskelabbau in Cheneau-Korsetts oder so).
Ob die OP-Kliniken schon damit arbeiten weiß ich nicht, aber in Bad Sobernheim halt, was ja eine nicht-operative-Skoliose-Hochburg ist.

Ich hoffe dass dein L5 mit deiner jetzigen Bandage schon etwas entspannen kann, ansonsten beantworte ich dir natürlich gerne jede Frage! Käme es bei dir denn in Frage den L5 auch noch zu versteifen?

Liebe Grüße und Gute Besserung!
Divided

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 Betreff des Beitrags: Re: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Fr 17. Jul 2015, 06:38 
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Hallo Divided,

noch ein kurzer Nachtrag: Im skoliose-info-forum.de hatte ich vor längerer Zeit (müssen Jahre gewesen sein) schon mal davon gelesen.

Viele Grüße
Raven

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 Betreff des Beitrags: Re: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Fr 17. Jul 2015, 18:43 
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Hallo,

ja das kann gut sein. Die Orthese selbst gibt es wohl auch tatächlich schon 20 Jahre oder so, aber scheint erst jetzt langsam bekannter zu werden.

Liebe Grüße,
Divided

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 Betreff des Beitrags: Re: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Mo 24. Aug 2015, 16:50 
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Hallo,

nach ein paar Wochen Tragezeit inklusive ein paar anstrengenderen Aktionen, möchte ich nochmal ein Zwischenfazit zu der Orthese abgeben, und die lautet: ziemlich gut!

Ich beschreibe das jetzt noch etwas genauer, ich denke das ist für die Leute relevant, die ernsthaft über so ein Teil nachdenken:

Leider bin ich häufiger zu Hause (wo ich auch meist arbeite) zu "faul" um sie prophylaktisch anzuziehen, und bequeme mich dann häufig erst dazu, wenn die Schmerzen schon da sind. *hüstel* Die werden dann aber nach einer halben bis dreiviertel Stunde Tragezeit wieder besser. :-)
Ich habe die Orthese ziemlich oft an, wenn ich vorhabe mich etwas länger außer Haus zu bewegen, da bekomme ich Erfahrungsgemäß nämlich meistens ziemliche Schmerzen. Laufen, Stehen, auf unbequemen Stühlen sitzen... - nicht mein Fall! Mit der Orthese geht das alles erheblich besser, insbesondere Laufen und Stehen oder wenn ich mal ohne Rückenlehne sitzen muss. Aber auch auf "guten" Stühlen ist es meistens eine Verbesserung. Schmerzfrei bin ich damit auch nicht, aber es ist wirklich wesentlich angenehmer und ich halte erheblich länger durch.
Im Alltag würde es für mich persönlich wohl Sinn machen, sie 2-5h pro Tag zu tragen, je nach Situation.

Hardcoretest:
Ich war für mehrere Tage auf einer Liverollenspielveranstaltung, bei der ich die Orthese nur zum Schlafen ausgezogen habe. Dort laufe ich zwischen 8km und 11km pro Tag, was meine körperliche Kompetenz eigentlich weit übersteigt. Auf der Veranstaltung war ich die letzten Jahre auch schon, ein "Direktvergleich" ist also möglich. - Dieses wie die letzten Jahre habe ich natürlich profilaktisch Schmerzmittel genommen.
Die letzten Jahre war es aber trotz der Schmerzmittel eigentlich schon ab dem 1. Tag (5h Autofahrt, großes Zelt aufbauen...) eine massive Quälerei. Dieses Jahr war es vom Rücken her erheblich besser. Nur punktuell kamen die Rückenschmerzen stärker durch, was die letzten Jahre eigentlich durchgängig der Fall war.
Ich hatte zwar leider immer noch ziemliche Probleme mit meinem Hüftgelenk, jedoch habe ich den Eindruck, dass die durch die Orthese auch ein klein wenig besser geworden sind, aber auf keinen Fall schlimmer. Ganz eindeutig ist aber, dass ich erheblich weniger Blockaden im LWS-Bereich bekomme, wenn ich sie trage.

Bei der Veranstaltung hab ich übrigens die Orthese irgendwie unter meiner "Verkleidung" verstecken müssen/wollen. Letztendlich habe ich tatsächlich (Aluminium-)Kettengeflecht daran befestigt, was bedeutet, dass die Orthese deutlich schwerer geworden ist, ich schätze 1,5-2kg. Das war natürlich nicht ganz ideal, beweist aber wie gut die Orthese sitzt. - trotz des Zusatzgewichtes hatte ich keine Druckstellen oder ähnliches, obwohl die Orthese auf dem Beckenknochen aufliegt.
So sah das dann aus, die Orthese ist da irgendwo drunter versteckt:
Bild

Ich war noch auf einer zweiten Veranstaltung für mehrere Tage, bei der ich "durchgängig" zeichnen musste - auf einem unbequemen Stuhl, vornübergebeugt sitzen ist normalerweise nicht mein Fall. Mit der Orthese ging war auch das wesentlich besser möglich. :)

Meistens trage ich die Orthese über einem schwarzem enganliegenden T-Shirt. Sie wird scheinbar schon öfter bemerkt, von Fremden werde ich aber für gewöhnlich deswegen nicht angesprochen oder angeglotzt. Sie wird scheinbar sofort als "orthopädisches Hilfsgerät" identifiziert.
Wenn man Leute trifft die man irgendwoher kennt, wird öfter schon ab und zu mal nachgefragt was genau das denn sei bzw. wofür, die meisten vermuten ich hätte einen Unfall gehabt (oder wer besser Bescheid weiß, fürchtet ich hätte eine weitere OP hinter mir o.ä.)
Ich werde es wohl weiterhin ohne größer mit der Wimper zu zucken in der Öffentlichkeit sichtbar tragen. Nur wenn ich mal wirklich "schick" aussehen will, ist das Teil natürlich nicht sehr förderlich. ;-)

Man schwitzt vor allem im Sommer natürlich unter der Orthese. Allerdings empfinde ich es nicht als sehr schlimm. Vielleicht bin ich im unteren Torsobereich auch nicht so wärmeempfindlich wie andere. Jedoch kann ich mich gut daran erinnern, dass Orthesen/Korsetts, die weiter hinauf reichten, also in den Brust/Schulter/Achselbereich mich erheblich mehr gestört haben in dieser Hinsicht.

Druckstellen: Ich trage unter der Orthese entweder einen nahtlosen "Schlauch" (so ein Nierenwärmer-Ding), oder recht dünne Bambus-T-Shirts. Die haben zwar Seitennähte, welche aber feiner sind, als bei dem Durchschnitts-Tshirt. Und sie sind billiger als Korsetthemden ;-). Kann ich übrigens empfehlen, die sind was Schweißgeruch betrifft auch ziemlich gut und haben einen sehr geringen Müffelfaktor. Mit diesen Kkleidunggstücken darunter komme ich gut klar. Bei den Nähten oder kleinen Fältchen sieht man das zwar hinterher auf der Haut, ich spüre es aber nicht.
Nähte an "normalen" T-Shirts, Unterhemden und Co haben mich darunter irgendwann dann schon etwas gestört, kurzfristig (bis 2h) war es aber für mich auch nicht wirklich ein Problem.

Ich zähl mal kurz der Vollständigkeit halber noch die Kleinigkeiten auf, die offiziell unter "contra" fallen, aber für ich persönlich eigentlich kaum ins Gewicht fallen:
- Optik
- die Pneumatik-Kolben stören manchmal, wenn man sich irgendwo "durchzwängen"muss. Häufig stoße ich damit vor allem gegen Türklinken, wenn ich durch eine halboffene Tür gehen will.
- irgendein Dichtungsteil ist wohl kaputt gegangen, ich hab zwischenzeitlich "Luft verloren", konnte aber zum Glück improvisieren (-> weiterhin funktionsfähig nach Anwendung von Trick 17) und wird demnächst natürlich vom Sanitätshaus repariert.
- Wenn man sich "ganz kurz zwischendurch" mal hinlegen will, geht das zwar, aber bestimmte Liegepositionen gehen mit den Kolben halt nicht. - da wäre dann ausziehen angesagt.
-Die Luftpumpe muss man natürlich mitnehmen, wenn man länger als 12h unterwegs ist
- Unter den Klettverschlüssen befindet sich eine "Zunge/Lasche". Durch den Schweiß und vor allem beim vielen sitzen, neigt die dazu Falten zu bilden, die drücken können. Ich finde es aber erträglich, man kann sie mit dem Finger zwischendurch glattstreichen und mir fällt es auch nur beim lange sitzen auf. Ansonsten ist die Lasche zum Glück auch bügelbar, was ich wohl immer wieder mal machen muss.

Ich kann also Summa Summarum weiterhin eine Empfehlung für "unversteifte Lendenwirbel" geben, die unter Belastungsschmerz leiden.

Liebe Grüße,
Divided

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 Betreff des Beitrags: Re: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Di 25. Aug 2015, 09:04 
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Hallo Divided,

danke für deinen ausführlichen Bericht :thumbsup:

Eine Frage habe ich noch hierzu:

Du schreibst
Zitat:
Dort laufe ich zwischen 8km und 11km pro Tag, was meine körperliche Kompetenz eigentlich weit übersteigt.

und
Zitat:
Die letzten Jahre war es aber trotz der Schmerzmittel eigentlich schon ab dem 1. Tag (5h Autofahrt, großes Zelt aufbauen...) eine massive Quälerei.

Letzteres kenne ich sehr gut aus dem eigenen Alltag - lange sitzen, und gerade die Kombination zuerst lange sitzen und dann aktiv sein wie z.B. etwas aufbauen müssen ist für mich sehr belastend, etwa lange fahren und etwas aufbauen, oder lange fahren und etwas besorgen/einkaufen (der "Brüller" war da mal eine Flugreise mit einer Gruppe, anschließend um die 3 Std. Autofahrt, und dann einen Wocheneinkauf besorgen :o ). Wirkt sich bei mir so aus, dass es anstrengender wird, die folgende Tätigkeit auszuführen, die Bewegungen unsicherer sind und ich mir schnell etwas verreiße.
Mit langem Laufen habe ich selbst keine Probleme, aber da fällt mir ein, dass du sicherlich Laufen mit dem gezeigten Kostüm meinst. Das könnte mir auch schwer fallen. Wie schwer ist es in etwa? Von mir kenne ich es so, dass ich mit Alltagskleidung und geringem Gepäck (Tasche für einen Tagesausflug) lange durchhalte, aber wehe, es kommt mehr Gewicht dazu oder Gegenstände, die man sich nicht umhängen kann. :? Liegt dann, vermute ich, dass für das Gehen mit höherem Gewicht/ asymmetrisch verteilter Last eigentlich eine andere Körperhaltung sinnvoller wäre, die mit versteifter Wirbelsäule nicht einnehmbar ist. (Habe mir das mal detaillierter und mit Erstaunen angesehen, wie sehr sich eine frei bewegliche Wirbelsäule auch mit kleinsten Bewegungen "verstellt", um sich z.B. eine schwankende Tragelast oder dem Laufen auf unebenem Untergrund anzupassen.)

Viele Grüße
Raven

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 Betreff des Beitrags: Re: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Di 25. Aug 2015, 18:06 
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Also wenn ich ohne "Hilfsmittel" rumlaufe (oder im schlimmeren Fall rumstehe), spüre ich das meistens sehr schnell in der LWS (Höhe variiert etwas, meist fängs direkt unter der Versteifung an und wandert nach unten, aber nicht immer) und/oder im Iliosakralgelenk. Ich denke ein großer Übeltäter ist das nicht korrigierte Hohlkreuz und natürlich die vermehrte Belastung durch die Versteifung.
Häufig blockieren dann auch Wirbel oder das ISG, was ich dann binnen Minuten oder manchmal sogar Sekunden sehr negativ auf meine Hüftgelenke auswirkt. Ohne Blockaden mucken dann meine Hüftgelenke früher oder später dann auch, ich nehme an das liegt an leichten Fehlstellungen und dem Hüftschiefstand. Wenn ich zu viel Laufe, besonders mit Blockaden, bilden sich Entzündungen im Hüftgelenk und das ganze läuft arg "unrund".
(Und ich bin auch einfach irre empfindlich :stirn: )
Ich hab vor der OP auch viele Jahre in einer Schonhaltung verbracht, ich fürchte da ist viel an Kompensierungsmöglichkeiten irgendwie verloren gegangen...

Mit Zusatzgewicht (Taschen, etc) ist es natürlich noch schlimmer, ebenso wenn ich "schnell" laufen muss. Eine erträgliche Geschwindigkeit, in der ich wohl auch ein gutes Stück mehr Strecke schaffe ist halt leider recht langsam, das ist für andere höchstens ein "schlendern". Muss ich mich an normale Gehgeschwindigkeiten von anderen anpassen, ist das ungut für mich. Wenn ich mit Gruppen unterwegs bin, hab ich häufig die Wahl ob ich mit Abstand hinterhertrotte, oder halt mithalte und Schmerzen in Kaufe nehme. Natürlich frag ich häufiger nach ob man langsamer gehen kann, aber das geht halt nicht in jeder Situation und die meisten Leute vergessen das nach zwei Minuten irgendwie wieder, besonders wenn man dann aus dem Blickfeld verschwindet...
Auf dieser Convention musste ich mich an Gruppen anpassen, die zum Teil aus Dutzenden oder sogar manchmal mehreren Hundert Leuten bestanden, die gewisse Ziele verfolgt haben, da musste ich dann halt schauen wo ich bleib.

Mit der Orthese waren halt die Blockaden und Schmerzen im LWS-Bereich weitestgehend eliminiert, was angenehm war. Ich denke an dem Kostüm war das Zusatzgewicht von 1.5kg um die Orthese herum halt etwas zu spüren, trotzdem war es erhebich besser als ohne Orthese. Das Kostüm insgesamt wiegt nicht sehr viel, das meiste ist Leder, und die Kettenteile aus leichtem Aluminium. Für Stahlringe bin ich dann nicht lebensmüde genug. ;-) Und das Gewicht verteilt sich halt auch dank der Orthese sehr gut und liegt größtenteils auf der Hüfte, so dass die Wirbelsäule davon nicht beeinträchtigt war - nur meine Hüftgelenke haben es mir vermutlich nicht gedankt, aber nun gut.

Ich trainiere ja auch (meistens :mrgreen: ) regelmäßig historisches Fechten, bei dem ich ähnliche Ausrüstungsgewichte (ich denke 4-5kg) auch gewohnt bin, aber auch die sind gut verteilt. Da merk ich am meistens die Fechtmaske, was vor allem untrainiert ein Problem ist, aber mit entsprechender Muskulatur geht es). Mehr Probleme hab ich mit Taschen die mehr als 1-2kg wiegen (wenn ich sie länger tragen muss) , da wird mein Freund regelmäßig zum Packesel degradiert.

Vom Rücken her kann ich übrigens trotz allem besser laufen als vor der OP! Die Hüfte ist jetzt der Große Nachteil, der erst nach der OP bemerkbar wurde, wobei ich mir irgendwie fast sicher bin, dass das auch ohne OP ein Problem gewesen wäre. Ich bin nur vor der OP nie auf die Idee gekommen so weit zu laufen, weil ich nach 100 Schritten schon aufgegeben habe. :lol:

Grüße,
Divided

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 Betreff des Beitrags: Re: Modifiziertes Rahmenstützkorsett
BeitragVerfasst: Di 25. Aug 2015, 19:29 
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Divided hat geschrieben:
Mit Zusatzgewicht (Taschen, etc) ist es natürlich noch schlimmer, ebenso wenn ich "schnell" laufen muss. Eine erträgliche Geschwindigkeit, in der ich wohl auch ein gutes Stück mehr Strecke schaffe ist halt leider recht langsam, das ist für andere höchstens ein "schlendern". Muss ich mich an normale Gehgeschwindigkeiten von anderen anpassen, ist das ungut für mich.

Was bei mir ohne Gepäck gut möglich ist, ist Gehen in Walking-Geschwindigkeit. Rennen ist aber sehr belastend, erschöpfend und "unrund", wie auch Gehen mit Gepäck. Das Problem mit dem Mithalten in Gruppen kenne ich daher sehr gut, gerade auf Reisen (mit Arbeitskollegen), wenn man "noch schnell" den Bus bekommen oder erst zusammen spät zum Flughafen gekommen ist :? :stirn:

Zitat:
Mehr Probleme hab ich mit Taschen die mehr als 1-2kg wiegen (wenn ich sie länger tragen muss) , da wird mein Freund regelmäßig zum Packesel degradiert.

Ja, ab dem Gewicht fängt für mich das oben genannte Gepäck auch an, wenn ich das länger dabeihaben muss. Ich gebe es dann auch, wenn möglich, an meinen Freund :tröst: oder eine andere anwesende, fittere Person ab 8-)

Viele Grüße
Raven

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