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Wie ergeht es euch seelisch bei Behandlungen und Arztterminen?
Mir geht es gut dabei - endlich wird mir geholfen, da zieh ich mich auch gerne aus! 17%  17%  [ 2 ]
Passt schon - angenehm ist es nicht gerade, aber was sein muss, muss sein. 8%  8%  [ 1 ]
Naja - mulmig ist mir schon dabei. 0%  0%  [ 0 ]
Schlecht - ich habe wirklich Ängste und ein hohes Schamgefühl. 17%  17%  [ 2 ]
Katastrophal - ich habe schlechte Erfahrungen gemacht und die Angst spielt immer mit. 0%  0%  [ 0 ]
Wechselnd - habe schlechte, aber auch gute Erfahrungen gemacht, kommt also auf den Therapeuten an. 33%  33%  [ 4 ]
Unterschiedlich - das kommt auf meinen Gegenüber an, es ist jedesmal anders, auch ohne spezifische "Vorgeschichte". 17%  17%  [ 2 ]
Sonstiges 8%  8%  [ 1 ]
Abstimmungen insgesamt : 12
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 Betreff des Beitrags: Vom behandelt werden: mein Körper gehört mir - oder?
BeitragVerfasst: Fr 19. Dez 2014, 06:36 
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Registriert: Di 19. Aug 2014, 20:55
Beiträge: 122
Wohnort: Eckental
Diagnose: Hyperkyphose 96°, Morbus Scheuermann, Keilwirbel, leichte Skoliose, ca 35°
Operation: 27.10.2010, WWK Bad Wildungen, Th3-L1, nach OP 60° Kyphose (30° im versteiften Bereich), Skoliose unter 10°
Hallo,

ich möchte auch mal ein relativ heikles Thema ansprechen. Viele von uns mussten (oder müssen noch) ja schon als Kinder oder Teenager durch viele "orthopädische und physiotherapeutische Hände" gehen. Oft wird man im Laufe der Untersuchungen und Therapie dann von einer wildfremden Person mehr oder weniger nackt betrachtet und natürlich auch angefasst. Wirklich wollen tut das kaum einer, schließlich werden die gewöhnlichen Anstandsregeln und die körperliche Distanz, die unter sich unbekannten Menschen für gewöhnlich herrscht, völlig ignoriert. So nah kommen einem eigentlich, vor allem im unbekleideten Zustand, meist nur Menschen die einem sehr nahe stehen.

Das ist natürlich leider notwendig - viele Ärzte und Therapeuten gehen damit meiner Meinung nach auch wirklich gut um, andere jedoch nicht. Außerdem gibt es Menschen, die seelisch ziemlich empfindlich auf so etwas reagieren. Besonders bei Teenagern kommt dann natürlich noch ein außergewöhnlich hohes Schamgefühl und Unsicherheit hinzu. Natürlich haben auch viele Erwachsene noch ihre Probleme damit.

Ich frage mich oft, was dieser Umgang - vor allem bei jungen Patienten - denn eigentlich alles auslöst. Wie ging und geht es euch damit? Habt ihr Probleme damit (gehabt), oder war/ist es euch völlig egal? Hat es euch irgendwie beeinflusst? Hat sich mal ein Therapeut o.ä. euch gegenüber unangemessen verhalten?


Ich möchte offen und ehrlich den Anfang machen und euch berichten. Als ich 12 Jahre alt war, begann meine "Therapeutenlaufbahn". Wenn ich einem Arzt/Therapeuten/etc. instinktiv vertraut habe oder ihn einfach für seriös hielt, hatte ich erstaunlich wenig Probleme damit. Auch in Bad Sobernheim (einer Reha-Klinik, in der man den Großteil des Tages oberkörperfrei - bei der Damenwelt mit BH) herumläuft, kam ich damit eigentlich gut zurecht.

Jedoch gibt es zwei "Dinge", die mich sehr mitgenommen haben. Es kam schon öfter vor, dass ich mich nicht als Patient gefühlt habe, sondern als Objekt. Mein Rücken wurde betrachtet und ausgemessen, mir wurde jedoch nicht ins Gesicht gesehen. In dem Zusammenhang wurde ich gefühlt auch meist ignoriert, wenn ich zum Beispiel von meinen Schmerzen erzählt habe. Ich fand solche Situationen - die leider schon häufiger vorkamen, irgendwie persönlich verletzend. Dass man in so einem Augenblick dann nicht mal wirklich was anhat, macht die Sache meiner Meinung nach wirklich nicht besser. Dass sich diese Ereignisse im laufe der Zeit wiederholt haben, bin ich mittlerweile leider ziemlich nah am Wasser gebaut, wenn ich mir von einem Arzt Hilfe erhoffe, und er mich dann ebenso behandelt. :?

Das zweite - ist mir nur bei einer Person passiert. Im Alter von 12-14 Jahren wurde ich zu einem Physiotherapeuten geschickt, der eindeutig diverse Grenzen überschritten hat. Ich wurde auf alle Fälle deutlich und gegen meinen Willen "begrabscht". - und ich war ziemlich hilflos.
Meinen Eltern gegenüber habe ich Andeutungen gemacht, doch der Wink mit dem Zaunpfahl brachte nur, dass ein Elternteil dann während der Behandlung bei mir blieb. Das war zwar besser als nichts, dennoch hat mich diese Person immer noch weiter am Rücken berührt (und nutzte weiterhin jede Gelegenheit).
Das war schlimm für mich, klar. Einerseits habe ich mittlerweile schon das Gefühl, dass ich darüber hinweg bin. Andererseits frage ich mich, was ich nicht doch für psychische oder psychosomatische Schaden davon getragen habe. Zum einen habe ich mich im Jugendalter dann mehr gegen gewisse Therapien gewehrt, als ich es vielleicht sonst getan hätte. Zum anderen frage ich mich ernsthaft, ob sich zum Beispiel meine Schmerzsymptomatik dadurch nicht vielleicht verstärkt hat. Schutz- und Hilflosigkeit sind gefühlt immer ein wenig mit dabei, wenn es um meinen Rücken geht, was die seelische Widerstandskraft beim Thema Schmerz sicher nicht stärkt. Auch leide ich an Depressionen. Zufall?
Ob es nun wirklich so ist, wird mir natürlich keiner sagen können, doch der Gedanke drängt sich mir auf.

Um die schlimmen Berichte abzuschwächen muss ich natürlich erwähnen, dass vor allem die meisten meiner Physiotherapeuten, allen voran mein Osteopath, sich hervorragend verhalten haben. Ich kann diesen Personen mein volles Vertrauen schenken, trotz meiner schlechten Erfahrungen.

Nun, als Fazit kann ich sagen: ich differenziere mittlerweile klar. Herrscht ein instinktives Vertrauensverhältnis zwischen mir und dem Therapeuten/Arzt, ist alles gut. Ist da keins - bin ich gefühlt schutz- und hilflos und fühle mich wie ein kleines Kind, dass ohne elterliche Aufsicht in fremde Hände gegeben wird.

Ich möchte vor allem Eltern darum bitten, möglichst drei Augen auf die Behandler zu haben. Wenn ein Kind speziell einem bestimmten Therapeuten o.ä. abgeneigt ist: bitte wechselt sofort! Auch wenn dem Kind der Therapeut tatsächlich "nur" unsympathisch ist, kann es einen Knacks in der Seele hinterlassen - ganz zu schweigen davon, wenn mehr dahinter steckt!

Wie erging und ergeht es euch mit dem Anfassen und beäugt werden? Scham, Angst, Gleichgültigkeit? Gar entschlossener oder trotziger Mut?
Ich würde mich freuen wenn ihr erzählt oder wenigstens anonym abstimmt - denn das ist wohl eines der totgeschwiegenen Themen, was ich sehr schade finde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Vom behandelt werden: mein Körper gehört mir - oder?
BeitragVerfasst: Fr 19. Dez 2014, 09:21 
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Registriert: Mi 20. Aug 2014, 07:55
Beiträge: 95
Diagnose: vor OP: thoralumbale juvenile /adoleszente Skoliose, ca. 55°
Operation: 1997 Versteifung Th3 - L5 / Hessing-Klinik Augsburg; kaum Restgrade, sehr gutes OP-Ergebnis
Hallo,

danke, dass du das Thema ansprichst!

Grundsätzlich, ein paar Worte vorneweg: ich bin ein eher zurückhaltender Mensch, der Berührungen oder auch andere körperliche Nähe nur zögerlich akzeptiert. Bis mich privat z.B. Freunde, Partner, ein neues Familienmitglied etc. umarmen, drücken etc. dürfen, vergeht etliche Zeit, viel mehr als oft bei anderen Leuten. Jemanden, den ich nicht wirklich sehr gut kenne, bei z.B. einem Schultheaterstück, bei Hilfestellungen im Sport etc. zu berühren, war mir immer sehr unangenehm.
(Manche vermuten, es hätte etwas mit der Skoliose zu tun, und da ich hier schreibe, könnte man das erst recht vermuten, aber dem ist nicht so. War schon vor der Skoliose so. Ich führe das vor allem an, um zu vermitteln, wie ich zu Berührungen stehe.)

Bei Ärzten: Behandlungsnotwendige Berührungen akzeptiere ich hingegen relativ schnell; mir sind da am liebsten Ärzte und andere Behandler, die ihre Sache nüchtern und knapp machen. D.h.: ich mag es nicht, wenn zusätzlich zur Behandlung noch üppiges Händeschütteln, oder gerade, wie es einem als Kind schon mal begegnet, Hand auf die Schulter, durch die Haare wuscheln... dazu kommt.

Schamgefühl: Unangenehm waren mir Orthopäden und Physiotherapeuten, bei denen ich das Gefühl hatte, nun als der ganz schlimme bemitleidenswerte Fall dazustehen, inklusive des zwischen Röntgenbild und mir hin und her wandernden skeptischen Blicks sowie Kommentaren und einem gefühlten "die Hände vor dem Kopf zusammenschlagen". Ich habe mich nicht grundsätzlich bzgl. der Deformation durch die Skoliose geschämt, aber ich habe mich dann vor solchen Behandlern geschämt, die den Eindruck machten, eine Skoliose sei etwas zum Naserümpfen, ganz schlimmes und da sei nicht mehr viel Hoffnung, irgendwie was daraus zu machen. Bezüglich dieser Behandler würde ich aus obiger Umfrage wählen "Schlecht - ich habe wirklich Ängste und ein hohes Schamgefühl." Die Ängste bezogen sich auch darauf, dass dieser Orthopäde der Verordner der nicht helfenden Korsetts war, sodass Orthopädenbesuche für mich stets bedeuteten: Verschlechterung im Röntgenbild, eine skeptisch-hoffnungslose Reaktion, Verschärfung der Behandlung (längere Tragezeiten, "Androhung" eines Korsetts mit Halsteil), keine positiv-hilfreiche Reaktion, Hinwegsehen über Schwierigkeiten in der Behandlung (z.B. psychische Belastung und Alltagseinschränkung durch das sehr auffällige, sperrige Korsett, Schwierigkeiten und nicht Unwillen beim Durchführen bestimmter Physiotherapie-Übungen). Zudem kam ich mir immer vor, als "das Kind meiner Eltern" behandelt zu werden - "Ihre Tochter" braucht diese und jene Behandlung, "Sie müssen bei Ihrer Tochter" auf dieses und jenes achten. Persönlich wurde ich kaum angesprochen, außer mal ein mitleidiges Lächeln oder kindliche "na jetzt sind ja bald Ferien?"-Plauderfragen.

Ungleich viel positiver kamen da andere Orthopäden rüber - in der Klinik, in der ich operiert wurde - , die eher eine nüchtern-hilfsbereite Stimmung vermittelten: das wirkte nach "du hast Skoliose, sowas kommt eben mal vor, viele Menschen haben Skoliose, wir helfen dir". Sie beschönigten nichts, z.B. die Heilungsdauer und der Aufwand einer nichtprimärstabilen (= damals üblichen) OP, stellten das aber alles korrekterweise als lösbares Problem, für welches sie Experten sind, dar.
Bezüglich dieser Orthopäden würde ich aus obiger Umfrage wählen "Mir geht es gut dabei - endlich wird mir geholfen, da zieh ich mich auch gerne aus!" Orthopädenbesuche dieser Art bedeuteten für mich: eine Begutachtung (geht nunmal nur ausgezogen), hilfreiche Behandlungsvorschläge, ein ehrlicher Umgang mit mir (kein "Mitleidsbetüddeln", sondern sachlich-ehrlich: Behandlung erfolgt so und so, Hinweise bzgl. Organisatorisches im Vorfeld einer OP und danach). Ich wurde als die Patientin gesehen, nicht nur als "die kranke Tochter von...", und ich wurde ernst genommen. Das war mir sehr wichtig - immerhin, mit dem Klinikaufenthalt, mit den Einschränkungen nach der OP, mit dem zu erwartenden bleibenden Anteil der Einschränkungen, mit den Verhaltensregeln, dem Schulausfall etc. musste ja ich klarkommen.

Arztbesuche habe ich heutzutage nur noch selten: Aufgrund der Skoliose nicht mehr, und ansonsten habe ich auch keine weiteren Erkrankungen, sodass sich Arztbesuche zuallermeist auf Impfungen und die Gynäkologie-Vorsorge beziehen.
Ist es doch einmal erforderlich bzw. sinnvoll, einen Arzt bzgl. einer Diagnose oder einer größeren Kontrolle aufzusuchen, die einen Spezialisten erfordert, habe ich kein schlechtes Gefühl dabei, wenn es sich eben wirklich um einen Spezialisten handelt. Etwa mich im März 2013 zwecks neuem Röntgenbild in der Orthopädie der Uniklinik Heidelberg vorzustellen und die dortigen Untersuchungen durchführen zu lassen, war für mich unproblematisch, weil ich wusste: eine operierte Skoliose ist für sie normal. Bei einem neuen Hausarzt den Rücken, Röntgenbilder etc. vorzuzeigen, ist schon etwas anderes, weil an Reaktion alles mögliche kommen kann, meist aufgrund von Unkenntnis starke Irritation mit viel Mitleid und mich als wesentlich stärker eingeschränkt einschätzen, als ich es bin. Unter den (Haus-)Ärzten, die Skoliose-OPs nicht kennen, sind mir die ruhig-unaufgeregten, die nachfragen und das recht sachlich (Krümmungswinkel vorher-nachher, wie fühlt sich das im Alltag an, wie kommen Sie zurecht, Bewegungseinschränkungen registrieren aber nicht mitleidsvoll kommentieren) angehen, am liebsten.

Viele Grüße
Raven

_________________
MeineRB


Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um so zu sein, wie andere mich haben wollen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Vom behandelt werden: mein Körper gehört mir - oder?
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 10:53 

Registriert: Sa 16. Mai 2015, 07:24
Beiträge: 2
Operation: Harrington-Distraktionsspondylodese TH 1 bis L3
re.-konvexer Thorakolumbalskoliose 7/95
W: 40 °, L: 20°
Hallo,

meine Therapeutenlaufbahn begann mit 6 oder 7 Jahren bei einer Sportuntersuchung beim Kinderarzt. Der Orthopäde bei dem ich dann in Behandlung war hat sich hauptsächlich mit meinen Eltern besprochen, die Röntgenbilder angeschaut und in sein Diktiergerät gesprochen. Es war wie wenn ich Luft gewesen wäre. Im Nachhinein hätte ich es besser gefunden wenn man mich (auch schon als kleines Kind) direkt mit einbezogen hätte. Schließlich geht es da um mich und meinem Körper. Als Kind saß ich einfach nur daneben. Ich war wie ein Zuschauer in einer Filmvorführung. Das war dann in der Klinik in der ich operiert wurde genauso.

Zu Physiotherapeuten habe ich ein gespaltenes Verhältnis.
Meine erste Physiotherapeutin warnte immer vor einer OP. Sie würde das nie ihrem eigenen Kind antun. Nach Rücksprache mit meinem Arzt wechselten wir bzw. meine Eltern die Physiotherapeutin. Der Arzt wollte auch offiziell eine Beschwerde einreichen, da sie ihre Kompetenz überschritten habe. Ob er es tatsächlich gemacht hat weiß ich nicht.

Ich war dann jahrelang bei einer Dame in Behandlung die meinte, sie würde an meiner Stelle immer zwei Pullover übereinander anziehen und dass ich ja wahrscheinlich so (!!!) nicht schwimmen gehen würde. Das war bereits nach meiner OP. Als sie mal eine Schulpraktikantin in ihrer Praxis hatte sollte ich dieser meinen nackten Rücken präsentieren. Ich fand das sehr demütigend. Noch dazu war die Praktikantin in meinem Alter und ging zur Schule neben meiner. Das ist kein angenehmes Gefühl. Ich habe mich damals einfach nicht getraut mich zu wehren und nein zu sagen. Jedesmal wenn ich die Praktikantin bei den Schulen gesehen habe wäre ich am liebsten in den Erdboden versunken. Ich habe dann fast 10 Jahre erstmal keine Physiotherapie gemacht. Mein nächster Therapeut meinte es nur gut. Er wollte vor meiner Behandlung die Röntgenbilder sehen. Als ich dann dort war hat er ganze fünf Mal das Wort „übel“ benutzt und sich über Skoliose-Patienten aufgeregt die sich eingeschränkt fühlten. Diese sollten sich doch mal meinen Rücken anschauen. Auch hat er mich mehrmals gefragt ob hier wirklich nichts mehr machbar sei. Physiotherapie habe ich erst mal aufgehört. Ich habe das Gefühl es zieht mich eher runter als dass es mir helfen würde.

Ganz schlimm war für mich der Sportunterricht in meiner Schule. Ich hatte zwar ein Attest. Sollte aber am Sport teilnehmen. Ich hatte eine Sportlehrerin die irgendjemanden kannte der Skoliose hatte. Und da der fast alles konnte, war es für sie klar dass ich das bei derselben Diagnose auch müsste. Bodenturnen mit Handstand und Purzelbaum! Unmöglich wenn man eine versteifte Wirbelsäule hast. Sie hat ewig mit mir diskutiert vor der ganzen Klasse. Ich konnte es aber einfach nicht. Und das hat sich immer wiederholt. Leichtathletik, Geräteturnen, Volleyball … Irgendwann sah ich keinen anderen Ausweg als mir Entschuldigungen selber zu schreiben und die Unterschrift meiner Eltern zu fälschen. (Für meine Eltern war das Thema Skoliose nach der OP eigentlich abgehakt).

In der 12. Klasse konnte ich einfach nicht mehr. Ich musste die Schule wegen Panikattacken und Depressionen abbrechen. Es war wirklich keine einfache Zeit.

Mein letzter Besuch in einer Klinik war eher ernüchternd. Ich habe von meinen Schmerzen gesprochen. Die Assistenzärzte wollten dass ich mich zur Seite und nach vorne bücke. Mit einer Stange vom Hals bis zum Becken geht das einfach nicht so gut. Die beiden Assistenzärzte wirkten auf mich ziemlich hilflos. Dann holten sie den Oberarzt und der erzählte mir nur ich sei doch im besten Alter („Frühling meines Lebens“) und solle dies doch genießen! Ich hab danach erstmal im Auto geheult.

Ich habe jetzt einen neuen Orthopäden der fachlich sehr gut ist und bei dem ich mich gut aufgehoben fühle. Er nimmt mich ernst, erklärt mir woher die Schmerzen kommen und behandelt mich nicht als Sonderling. Das hilft mir sehr. Leider ist er zeitlich immer sehr eingeschränkt.

Ich weiß ich müsste wieder zur Physiotherapie. Aber auch wenn es blöd klingt ich habe einfach Angst davor. Vor neuen Reaktionen, sich erklären müssen und dem Ganzen.

Gruß

JeKr


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 Betreff des Beitrags: Re: Vom behandelt werden: mein Körper gehört mir - oder?
BeitragVerfasst: Sa 24. Okt 2015, 17:31 

Registriert: Di 24. Feb 2015, 23:14
Beiträge: 8
Diagnose: Kyphose (+Lordose); vor OP 70-80 Grad, nach OP 41 Grad, inzwischen 56 Grad
Operation: OP am 18.02.13 in Neustadt, versteift von Th7-L1, Subtraktionsosteotomie bei Th11
Hallo,
ich finde das Thema auch gut.
Für mich war es am Anfang am schlimmsten, so mit 11/12. Da war ich allgemein gerade in der Phase, in z.B. von egal-Klamotten zu Mädchenklamotten gewechselt hab, in der ich mich allgemein verändert hab. Und da fand ich es schon blöd, immer das Ausziehen beim Orthopäden oder beim Röntgen… mih hat die Kyphose aber auch allgemein sehr gestört, wegen Aussehen und Schmerzen, wahrscheinlich haben mich die Termine auch deshalb so genervt.
Mit 13, als dann auch von der OP gesprochen wurde und wir auch zu anderen Ärzten gekommen sind, ist mir das Ganze dann viel leichter gefallen. Vielleicht, weil ich jetzt auch gemerkt habe, dass sich die Ärzte wirklich interessiert und Zeit genommen haben. Im Gegensatz zu meinen ganzen Terminen beim Orthopäden hier, der sich immer relativ wenig dafür interessiert hat, hat sich z.B. Dr. Bullmann in Köln ziemlich viel Zeit genommen, ausführlich darüber gesprochen. Und ich glaub auch seitdiesem Termin ist mir das Ganze dann viel leichter gefallen. Da waren wir dann ja auch bei 4 verschiedenen Ärzten vor der OP noch, diese Termine haben mir irgendwie alle nichts ausgemacht.
Nach der OP war ich dann trotzdem erstmal froh, die Termine los zu sein.
Jetzt inzwischen hab ich ja wieder mehrere Arztbesuche. Sie machen mir inzwischen eigentlich nicht mehr viel aus, weil ich weiß, dass sie mir nicht schaden können und (hoffentlich) helfen. Auch in Bad Sobernheim hat mir das unbekleidet sein nicht viel ausgemacht, viel weniger als das Zusammensein mit vielen Menschen jeden Tag…
Für mich ist trotzdem jedes Mal wieder eine kleine Überwindung, zu einem neuen Arzt zu gehen, nicht, weil mir das Begutachten viel ausmacht, sondern allgemein das Treffen und „Kennenlernen“ fremder Personen. Aber irgendwie gewöhnt man sich ja auch dran… es gibt nur eine Sache, die ich an Ärzten überhaupt nicht leiden kann. Und das sind besorgte Blicke. Die gehören für mich einfach nicht zu Ärzten. Ich kann es ja schon nicht leiden, wenn mich meine Eltern so anschauen, aber bei Ärzten geht das echt gar nicht… meine Kinderärztin hat das z.B. bei mir immer gemacht, sie hat mich auch immer „Große“ genannt. Und wenn Ärzte mich so nennen, dann überschreitet das für mich einfach die Arzt-Patient-Grenze, die mir eigentlich immer hilft.

Mit meinem Physiotherapeuten hatte ich echt Glück. Ich hab ihm eigentlich direkt vertraut, weil er mir irgendwie den positiven Blick auf die Rücken-Sache gegeben hat, auch wenn sie mich oft genervt hat.. inzwischen bin ich froh „nur“ das zu haben, und ich denke, das habe ich ihm auch zu verdanken. Da war oft die Rücken-Behandlung auch eine Seelen-Behandlung...

Liebe Grüße :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Vom behandelt werden: mein Körper gehört mir - oder?
BeitragVerfasst: Fr 2. Sep 2016, 14:50 

Registriert: Di 23. Aug 2016, 14:12
Beiträge: 16
Diagnose: Skoliose, BWS 40 Grad, HWS 33 Grad, LWS 16 Grad, Myalgien, Hartspann, Blockaden
Ich habe sehr unterschiedliche Ärzteerfahrungen aufgrund meiner Skoliose gemacht. Die schlimmste Erfahrung war mit 19 wo es um das Thema "Bundeswehr ja/nein" ging. Er meinte, ab Ende 20 hätte ich schlimme Schmerzen. Daran ändern könne man nichts, man könne es nur herrauszögern. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich habe danach jahrelang nichts mehr für mein Kreuz gemacht und im Studium war ich auch nicht motiviert. Ich hatte eine lange depressive Phase und mein Motto war "hat je eh alles keinen Sinn". Es gibt aber auch gute Ärzteerfahrungen. 2013 habe ich einen sehr netten jungen Arzt in der Praxis meines Hausarztes kennengelernt. Er hat mir endlich mal richtig zugehört und erkannt, dass meine Rückenschmerzen auch psychologische Ursachen haben. Nachdem er mir Amytryptilin verordnet hatte konnte ich endlich wieder schlafen und meine Rückenschmerzen haben sich täglich gebessert. Mit Physiotherapeuten sind meine Erfahrungen weitaus besser als mit Ärzten. Meine Therapeutin hat mir beim letzten Mal sagen können, wie die Muskulatur heisst, die sich zwsichen meinen Rippen verkrampft. Vielleicht gehe ich bei der nächsten Schmerzattacke zu meiner Therapeutin statt zu meinem Arzt. Muss ich halt alles bar bezahlen aber ich höre früher, was ich gegen meine Probleme machen kann.


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