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 Betreff des Beitrags: Vorstellung von Raven
BeitragVerfasst: Mi 20. Aug 2014, 09:43 
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Registriert: Mi 20. Aug 2014, 07:55
Beiträge: 102
Diagnose: vor OP: thoralumbale juvenile /adoleszente Skoliose, ca. 55°
Operation: 1997 Versteifung Th3 - L5 / Hessing-Klinik Augsburg; kaum Restgrade, sehr gutes OP-Ergebnis
Hallo liebe Forenmitglieder,

hier bin ich als "Raven" zu finden. Ich bin weiblich und aktuell 30 Jahre alt.

Meine Intention, hier zu schreiben, ist die selbe wie jene von Divided:
Den Austausch zwischen Betroffenen empfinde ich als sehr wertvoll. Mir selbst hat dieser Austausch leider lange gefehlt, da die Entdeckung meiner Skoliose und schließlich die OP in die Zeit vor solchen Foren fielen. Möglich wurde mir der Austausch mit anderen - bis auf die Zeiten jeweils in der Klinik - erst 12 Jahre nach der OP.

Entdeckt wurde meine Skoliose mit 10 Jahren, als bei einer Schuluntersuchung zunächst ein Beckenschiefstand diagnostiziert wurde, der sich beim Orthopäden rasch als Skoliose mit ca. 20 Grad Cobb erwies.
Für meine Eltern und mich war dies ein ziemlicher Schock, da ich bisher ein robustes und immer gesundes Kind war und meine einzigen Arzttermine aus den U-Untersuchungen und Impfungen bestanden - und nun sowas... :shock: Beschwerden hatte ich hinsichtlich des Rückens nicht.
Zunächst bekam ich Krankengymnastik verschrieben, von einem Korsett (unter dem ich mir noch ein harmloses "Damen-Mieder" vorstellte) war zwar auch die Rede aber der Arzt meinte, das müsse noch nicht sein. Meine Skoliose verschlechterte sich auf ca. 25 Grad bis zum nächsten Kontrolltermin (6 Monate später), das Hartplastikkorsett wurde Wirklichkeit. :?
Während der folgenden Jahre betrieb ich weiter Physiotherapie (zweimal pro Woche in der Praxis, täglich zu Hause), trug mein Korsett (es störte mich, aber ich war tapfer, immerhin ging es um die Wirbelsäule und ich nahm die Sache sehr ernst). Leider verschlechterte sich die Skoliose immer weiter.
Schließlich: 12 Jahre, knapp 50 Grad Cobb. Man sprach von Operation, ich war am Boden zerstört - früher war ich so gesund gewesen, noch nie im Krankenhaus, und jetzt innerhalb von zweieinhalb Jahren erst Physiotherapie, dann Korsett, dann OP. Zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich sehr verzweifelt. :(

In der 8. Klasse, mit 13 Jahren, wurde ich schließlich operiert. Das war 1997, sodass sich einiges vom Ablauf heutzutage deutlich unterscheidet. Durchgeführt wurde die OP in der Hessing-Klinik Augsburg, die damals eine der oder die Top-Klinik bzgl. Skoliose-OP war. Zunächst war ich zwei Wochen zwecks Muskelaufbau, Konditionstraining und Lockerung in der Klinik, danach fand die OP statt. Aufgrund der langen und tiefen Versteifungsstrecke von Th3-L5 war bei der damaligen OP-Technik mit nichtprimärstabilen Implantaten das Tragen eines Korsetts für etwas mehr als sechs Monate (durfte immer nur kurz zur Körperpflege abgenommen werden) nötig. Am belastendsten war für mich das strikte Sitzverbot; bei heutiger OP-Technik ist derartiges nicht mehr nötig, bei den nicht primärstabilen Implantaten war es jedoch unumgänglich. Sitzverbot bedeutete, dass ich für sechs Monate nicht sitzen durfte - auch nicht kurz auf der Toilette, auch nicht erhöht mit Keilkissen, sondern absolut nicht. Auch das Sitzen als "Zwischenbewegung" beim Hinlegen, und auch ein sonstiges Anbeugen im Hüft- und LWS-Bereich waren verboten und wurden durch die Konstruktion des Korsetts auch gleich unmöglich gemacht.
Im Vergleich zu heutigen OP-Techniken empfand ich das rückblickend als die größte Einschränkung nach der OP:
Nicht sitzen zu können, macht sehr immobil, da nur Stehen und Liegen möglich sind, nur die Toilette zu Hause benutzt werden kann, Automitfahrten nicht möglich sind (ich kam nicht durch die Autotür, nicht auf die Rückbank, wurde daher zu Kontrolluntersuchungen mit dem Krankentransport gefahren), und ich für ein halbes Jahr die Schule nicht besuchen konnte (es gab keine Transportmöglichkeit, ferner konnte ich mich nur sehr zaghaft und unsicher bewegen, sodass ich Hausunterricht erhielt). Zu Hause war ich sehr viel auf Hilfe angewiesen: wenn man nur flach liegen oder aufrecht stehen darf, kann man sich kaum selbst ankleiden, kann nicht für die eigene Körperpflege sorgen etc.
Ich habe damals erfahren, dass viele Eltern ihren Kindern die OP aufgrund dieser Einschränkungen in der Genesungsphase nicht zugemutet haben.

Die OP ist damals sehr gut verlaufen, es konnte eine weitestgehende Begradigung stattfinden. Schmerzmittel brauchte ich nur sehr wenige, und konnte sie bald völlig absetzen. Komplikationen gab es keine. Somit war der Verlauf sehr gut, wennauch sich vieles natürlich umständlicher gestaltete als bei heutigen OP-Verfahren. Zum Vergleich: Nach etwa einem halben Jahr ging es mir bewegungstechnisch erst so gut wie heute typischerweise kurz nach Entlassung.
Eine Reha gab es damals übrigens nicht. Kontakt zu anderen Betroffenen hatte ich bis auf die Zeit in der Klinik auch nicht. Dort knüpfte ich zwar zwei Brieffreundschaften, aber leider nicht zu Leuten, die aufgrund einer Skoliose oder Hyperkyphose operiert wurden.

Die Jahre nach der OP, oder besser gesagt ab dem ersten Jahr nach OP, als wieder einigermaßen Normalität eingekehrt war, verliefen relativ unspektakulär: Ich besuchte wieder die Schule, machte meinen Abschluss, dann kamen die Jahre mit Ausbildung, Führerschein, erste eigene Wohnung, Abi, Studium... Für die Schule hatte ich meine Sportbefreiung, ich nahm an allzu sportlichen Aktivitäten nicht teil, die Lehrer wussten bescheid. Selbst versuchte ich mich mit Kompromissen zwischen Bedürfnissen meiner Wirbelsäule einerseits (geschämt habe ich mich für das gewisse Anderssein nie) und möglichst aktiv zu sein (dafür, bei Aktivitäten wie Klassenfahrten, Zelten dabei zu sein, noch abends nach der Arbeit die Fahrschule zu besuchen und so weiter... habe ich gerade als Jugendliche schon auch mal Umstände und Schmerzen auf mich genommen...) zu arrangieren.
Arbeiten konnte ich glücklicherweise immer voll, und konnte auch einen Beruf finden, der zu meinen körperlichen Gegebenheiten passt (was nicht so einfach war, da ich mich für technische Berufe interessiere; aber auch hier gibt es technische Berufe, die man an einem Büroarbeitsplatz ausübt, was für mich gut funktioniert).

Meine OP ist nun 17 Jahre her. Eine vor zwei Jahren durchgeführte Kontrolluntersuchung ergab bislang keine Verschleißerscheinungen. Wenn ich auf Ergonomie achte, mich ausreichend bewege und hin und wieder gezielte Übungen mache, bin ich schmerzfrei und gemessen an der "Grundeinschränkung" ziemlich leistungsfähig.

Als solche empfundene körperliche Einschränkungen habe ich sehr wenig, da ich die Dinge, bei denen ich evl. Einschränkungen hätte (Tanzen, Sport außer Gymnastik und Wandern/Walken, körperlich anspruchsvollen Job, körperlich anspruchsvolles Hobby etc.) schon vorher nicht gemacht habe, und mir auch gar nicht der Sinn danach steht. Mich hat es daher auch nie belastet, dass bestimmte Sportarten für mich tabu sind oder ich darin wohl mit der Versteifung schlechter wäre.
Vieles im Alltag geht aber durchaus nur langsamer, ist mühsamer, ich muss mehr auf Ergonomie achten (gerade beim Sitzen, Tragen). Öfter stoße ich aufgrund Unverständnis - solche "Rückenprobleme" sind eben ziemlich unbekannt, und unter den Dingen, die mir schwer fallen, sind einige, die andere Menschen altersgemäß als leicht zu bewältigen einschätzen. (Das ist mir insbesondere als Teenager aufgefallen; wie oft kommt "nun, pack mal mit an...") Da hilft, meiner Erfahrung nach, nur "Mund aufmachen".
Sehr froh bin ich darum, keine Schmerzmittel zu benötigen, bislang keine Verschlechterungen festgestellt zu haben, in meinem Wunschberuf normal arbeiten zu können, meine Freizeit aktiv gestalten zu können, nicht aus Gesundheitsgründen auf etwas verzichten zu müssen, das mir wichtig wäre.
Das ist sehr wertvoll, der Meinung bin ich. Die OP in so jungen Jahren hat sicherlich auch meine Vorstellung davon geprägt, was für mich Gesundheit bedeutet.

Viele Grüße
Raven


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Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um so zu sein, wie andere mich haben wollen.
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 Betreff des Beitrags: Re: Vorstellung von Raven
BeitragVerfasst: Mo 24. Nov 2014, 23:13 
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Registriert: Di 19. Aug 2014, 20:55
Beiträge: 122
Wohnort: Eckental
Diagnose: Hyperkyphose 96°, Morbus Scheuermann, Keilwirbel, leichte Skoliose, ca 35°
Operation: 27.10.2010, WWK Bad Wildungen, Th3-L1, nach OP 60° Kyphose (30° im versteiften Bereich), Skoliose unter 10°
Dann möchte ich dich mal in unserem Forum willkommen heißen! Es freut mich sehr, dass wir beide das zusammen auf die Beine stellen und ich freue mich schon auf deine konstruktiven Beiträge!

:thumbsup:

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