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 Betreff des Beitrags: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: Fr 6. Mai 2016, 10:48 
Hallo,

bei mir ist eine Kyphose OP geplant, da konservativ alles ausgereizt ist. Durch die starken Schmerzen bin ich oft krankgeschrieben und ein Leben außerhalb der Arbeit findet nicht mehr statt.
Seit Wochen soll ich im Krankenhaus einen Termin vereinbaren, doch bis jetzt habe ich es nicht geschafft dort anzurufen. Zum einem ist es die Angst vor der OP, den Schmerzen danach, aber auch die Ungewissheit ob es mir danach auch wirklich besser geht. Zwar machen die Ärzte mir Mut, aber trotzdem ist da die Angst, dass es mir später noch schlechter gehen wird. Ich weiss, dass später das Thema Rücken nicht vorbei ist und ich weiter KG machen muss, bestimmte Einschränkungen haben werde, ...
Leider war ich bei ein paar Ärzten, die gemeint haben, dass eine solche OP verrückt sei und ich später im höheren Alter im Rollstuhl sitzen würden, da ich immer mehr versteift werden müsste. Auch Verwandte schütteln nur den Kopf. Nur eine andere Alternative konnten sie mir auch nicht aufzeigen, außer mit den Achseln zu zucken und zu sagen da kann man nichts machen gegen die Schmerzen.

Kennt Ihr das auch, dass Ihr vor der OP starke Zweifel hattet oder die Ängste vor der OP?

Mit freundlichen Grüßen

N.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: Fr 6. Mai 2016, 12:31 
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Diagnose: Hyperkyphose 96°, Morbus Scheuermann, Keilwirbel, leichte Skoliose, ca 35°
Operation: 27.10.2010, WWK Bad Wildungen, Th3-L1, nach OP 60° Kyphose (30° im versteiften Bereich), Skoliose unter 10°
Hallo,

sehr vielen geht es ähnlich wie dir, Nibali. Viele haben Zweifel, einige stärkere, andere kleinere. Ich war da eher die Ausnahme, meine Zweifel waren eher gering - oder sagen wir, ich war bereit sehr viel in Kauf zu nehmen. (Leidensdruck.... ) Aber ich höre von vielen Leuten, denen es ähnlich wie dir geht.

Ich bin vor 5 Jahren an meiner Kyphose operiert worden und bisher bereue ich es nicht. Ich habe meine Zipperlein und Problemchen, für mich ist es jedoch trotz allem eindeutig besser als vor der OP. Mein "Hauptschmerz" ist verschwunden.
Im Bereich der Versteifung bin ich quasi schmerzfrei, darunter hab ich jetzt noch deutlichere Probleme. Um ehrlich zu sein, waren die vorher aber auch schon da, da hab ich denen nur einen anderen Stellenwert zugeschrieben.

Wenn wir bei meinen Schmerzen beispielhaft zusammenfassen, vor der OP hatte ich 6 Hauptprobleme: (1 war das stärkste, 6 das schwächste)
So sind 1&2 verschwunden, 3&4 deutlich abgeschwächt, 5 gleichbleibend, 6 etwas schlechter und nur 7 kam neu dazu. Summe Summarum bin ich also von 100% Schmerzen auf 55% runter.

Das kann natürlich sowohl besser als auch schlechter enden.
Die Bewegliche Einschränkung ist vorhanden. Für mich als Schmerzpatient juckt mich das im Alltag relativ wenig, die meisten Bewegungen hätte ich früher sowieso nicht gemacht, aufgrund der Schmerzen. Wenn ich jetzt was aufgrund der Beweglichkeit bemerkbar nicht machen kann (obwohl ich es will), nehm es in den meisten Fällen nur als nervig wahr. Es kommt nur selten vor, dass mich es mehr stört. Ich denke vor allem sportliche aktivere Leute stören sich mehr daran, als der typische Couchpotato. (Wenn es mich stört, dann im Regelfall auch beim Sport - dann ich aber vor der OP überhaupt nicht machen konnte...)

Letztendlich musst du entscheiden, und abwägen was du zu gewinnen und was zu verlieren hast.
Darf ich fragen wieviel Grad du hast?

Ich wünsch dir alles Gute!
Divided

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 Betreff des Beitrags: Re: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: Sa 7. Mai 2016, 10:09 
Hallo Divided,

vielen Dank für deine Antwort.
Bei der letzten RX-Aufnahme wurden für die Kyphose 70 Grad und für die Skoliose 20 Grad gemessen. Das hört sich für die meisten Ärzte nicht schlimm an, aber die Gradzahl sagt ja nichts über die Schmerzintensität aus. Der operierente Arzt hat mich auch nicht unter Druck gesetzt, sondern hat mir erklärt, dass ich Alles konservative erst Mal durch probieren sollte. Nur wenn all dies nicht helfen würde und man die Schmerzen nicht in den Griff bekommt, dann sollte man sich ein solchen Eingriff überlegen.

Bei mir wird es wohl auch die identische Fusionstrecke werden wie bei dir, wahrscheinlich wird auch noch Th2 mit operiert. Gerade die ersten paar Brustwirbel sind bei mir stark keilförmig ausgebildet wodurch ich starke Nackenschmerzen habe. Leider kann ein Korsett den Bereich auch nicht (mehr) aufrichten.

Welche Einschränkungen hast du den? Wo sagst du, das geht jetzt nicht mehr?


Gruß N.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: So 8. Mai 2016, 23:45 
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Operation: 27.10.2010, WWK Bad Wildungen, Th3-L1, nach OP 60° Kyphose (30° im versteiften Bereich), Skoliose unter 10°
Hallo,

tut mir leid für die späte Antwort, ich war über das Wochenende nicht zu Hause.

Natürlich hast du Recht, der Grad der Krümmung sagt nicht zwingend etwas über die Schmerzintensität aus. Ich hatte beispielsweise auch als Kind schon Schmerzen, und da war mein Krümmungsgrad sicher noch deutlich geringer. Auch habe ich schon öfter von Leuten mit ähnlichen Gradzahlen wie deinen gehört, die ebenfalls unter starken Schmerzen litten. (Umgekehrt natürlich auch von Leuten mit höhere Gradzahlen, die schmerzarm waren).

Bei mir war ursprünglich von TH4-L2 geplant, währen der OP haben sie sich aber umentscheiden und es ist ein Th3-L1 draus geworden.

Also natürlich geht schwer heben nicht mehr. (Was man aber bei so einer OP sowieso vermeiden sollte). Mit entsprechender Muskulatur geht natürlich wieder etwas mehr als ohne, aber bei einem Umzug trag ich höchstens noch die Verantwortung. ;-) Bei mir ist so das ertragbare Limit einen 6-Pack 1,25 Liter Flaschen vom Auto in den dritten Stock tragen. (das sind also 7,5kg). Zur Not kann ich meinen Hund (ca 18) kg kurzfristig tragen, aber das macht keinen Spaß mehr und der "macht sich leicht". Mich stört das jetzt nur selten, da ich meistens ganz froh bin wenn ich eine Ausrede habe etwas schweres nicht tragen zu müssen. Vor der OP häte ich es gekonnt, hab aber dafür meist entsprechende Schmerzen in Kauf genommen. *urgs*

Besonders merke ich es bei sportlichen Aktivitäten, insbesondere wenn ich ganz konkrete Bewegungsabläufe durchführen soll, oder exakte Körperpositionen einnehmen muss.
Viele Dinge gehen bei mir grundsätzlich noch, aber eingeschränkt, das heißt die Bewegung geht nicht mehr so "weit" wie vorher, oder ich kann sie nicht so lange halten, bzw es wird dann schmerzhaft. Beispielsweise kann ich problemlos etwas vom Boden aufheben ohne großartig in die Hocke zu gehen (soll man natürlich nicht *hust*) Aber ich kann es noch. Wenn ich aber 20 Sachen hinteinander vom Boden aufheben soll, tut das ganz schön weh irgendwann.

Ich kann beim Autofahren meinen Kopf für einen Schulterblick ganz gut drehen, ich kann auch noch Rückwärts ausparken usw. Soll ich aber einen 200m langen Weg rückwarts fahren und muss dabei kontinuierlich rückwärts schauen, wird das ziemlich unangenehm.

Wenn ich an einem Tisch sitze, und mir fällt ein Stift herunter, kann ich ihn im sitzen aufheben, wenn ich mit dem Stuhl nach hinten schieben kann. Geht das aber nicht, komm ich oft nicht mehr richtig hin.

Drehbewegungen sind eingeschränkt; im normalen Alltag merke ich das wenig, da man sich einfach angewöhnt den ganzen Körper samt Hüfte zu drehen. Ist die Hüfte oder irgendein Körperteil fixiert, merkt man dass das ein Stückchen fehlt. Das fällt mir halt besonders beim Sport auf.

Ich kann nur noch begrenzt eine halb-sitzende halb-liegende Position einnehmen. Zb im Bett zu lesen, halb aufrecht mit vielen Kissen im Schulter- und Kopfbereich, wird nach wenigen Minuten recht unbequem. Da wird einfach eine Krümmung in der Wirbelsäule gefordert, die nicht mehr geht. Irgendwelche "Diagonalen" Positionen auf dem Sofa kann ich schon noch einnehmen, wenn halt die Wirbelsäule entsprechend relativ gerade bleibt und an den passenden Stellen gestützt wird.

Was mir auf Dauer Schmerzen verursacht ist sehr niedrig zu sitzen, zb auf sehr tiefen Sofas, oder gar auf dem Boden. Kurz geht das schon, aber länger als 5 Minuten bleib ich nicht mehr auf dem Fußboden. Leute, die Tiefer als L2 oder L3 operiert sind, können das oft gar nicht mehr.

Auch hab ich Probleme beim frei sitzen ohne Rückenlehne. Das ist bei vielen tief operierten glaub ich auch anders, denen fällt das häufig eher leicht. Ich hab halt unter der Versteifung noch ein deutliches Hohlkreuz, was mir die Sache glaub ich ziemlich erschwert. Bierbänke waren aber vor der OP auch überhaupt nicht mein Fall.

Ich finde es unangenehm, mich an hölzerne/harte Stuhllehnen anzulehnen, da dann zu viel Druck direkt auf den Schrauben liegt. Jedoch ist das für mich nichts neues, vorher hatte ich dann nämlich entsprechenden Druck auf einem hausstehenen Dornfortsatz. ;-)

Wenn ich im beispielsweise im Bett auf der Seite liege und einfach nur 40cm in eine Richung rutschen will, geht das "hinüberrobben" flach liegenderweise nicht mehr so richtig. Die schlängelbewegung die man dazu bräuchte fehlt, also muss man sich etwas umständlicher umplatzieren.

Was genau gut, nicht so gut oder gar nicht geht, variiert ein bisschen. Die Versteifungsstrecke/Höhe spielt natürlich eine Rolle, aber auch die restliche Physionomie, Restkrümmung, etc pp. Falls es dich interessiert: Ich hab mal ein kurzes Video gemacht von Bewegungen, die ich zügig ausführen kann, aber bei mehrmaliger/intensiverer Ausführung schmerzhaft werden.

Download Bewegungsvideo

Ich hatte übrigens vor der OP auch ganz schlimme Verspannungen im Schulterbereich, was oft weit in die Arme hineinzog, und häufig auch sehr starke Nackenschmerzen. Ich hatte immer das Gefühl mein Kopf sei zu schwer und mein meine Halsirbelsäule und Nackenmuskulatur wär einfach zu schwach und erstere würde irgendwann wie ein Strohhalm zerbrechen (ähnlich auch in der Brustwirbelsäule).
Meine Nacken und Schulterprobleme sind anschließend deutlich besser geworden. Leider nicht ganz verschwunden, aber es da wirklich eine deutliche Verbesserung zu verzeichnen! Die Statikveränderung weiter unten hat sich eindeutig positiv auf alles weiter oben ausgewirkt.

Liebe Grüße,
Divided

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 Betreff des Beitrags: Re: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: Mo 9. Mai 2016, 16:36 
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Operation: 1997 Versteifung Th3 - L5 / Hessing-Klinik Augsburg; kaum Restgrade, sehr gutes OP-Ergebnis
Hallo Nibali,

die von Divided beschriebenen Auswirkungen einer Versteifung kann ich bestätigen (Unterschied bie uns: bei mir handelte es sich um eine Versteifung von Th3-L5 aufgrund von Skoliose).
Divided hat geschrieben:
Also natürlich geht schwer heben nicht mehr. (Was man aber bei so einer OP sowieso vermeiden sollte). Mit entsprechender Muskulatur geht natürlich wieder etwas mehr als ohne, aber bei einem Umzug trag ich höchstens noch die Verantwortung. ;-) Bei mir ist so das ertragbare Limit einen 6-Pack 1,25 Liter Flaschen vom Auto in den dritten Stock tragen. (das sind also 7,5kg). Zur Not kann ich meinen Hund (ca 18) kg kurzfristig tragen, aber das macht keinen Spaß mehr und der "macht sich leicht". Mich stört das jetzt nur selten, da ich meistens ganz froh bin wenn ich eine Ausrede habe etwas schweres nicht tragen zu müssen. Vor der OP häte ich es gekonnt, hab aber dafür meist entsprechende Schmerzen in Kauf genommen. *urgs*

Das habe ich diese Woche auch wieder im "Praxistest" bemerkt: Gruppenreise mit einer Gruppe von Leuten im Alter von 25 - 30 Jahren, außer mir alle ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen. Das Hantieren mit dem Gepäck fiel mir viel schwerer als anderen, obwohl mein Koffer nur 12 kg wog. Den über Treppen in die U-Bahn-Station zu bekommen, über Treppen ins/aus dem Hotel, puh :? Es ging mit Müh und Not, Koffer alle paar Stufen absetzen und Koffer immer nur mit beiden Händen anheben, dabei immer aus den Knien heben und alles stark anspannen, damit es nicht allzu sehr auf den Rücken geht. Wenn möglich, vermeide ich sowas aber.
Wenn ich mit meinem Partner oder mit Freunden unterwegs bin, helfen die mir in so einer Situation automatisch. Hier wurde es wieder mal übersehen, obwohl ich etwas gesagt hatte.

Zitat:
Besonders merke ich es bei sportlichen Aktivitäten, insbesondere wenn ich ganz konkrete Bewegungsabläufe durchführen soll, oder exakte Körperpositionen einnehmen muss.

Oder nichtsportliche Arbeiten, die eine besondere körperliche Haltung erfordern bzw. mir die Tätigkeit eine bestimmte Haltung aufzwingt - z.B. im Knien arbeiten, mit den Armen über dem Kopf arbeiten (so typische Heimwerkerarbeiten, Tätigkeiten in technisch-handwerklichen Berufen), oder wenn Tisch- und Stuhlhöhen nicht zu meiner Körpergröße passen. Durch die Versteifung kann man sich nicht so gut an vorgegebene Haltungen anpassen - ohne Versteifung krümmt man den Rücken eben, wenn ein Tisch etwas zu niedrig ist (auch nicht gut, geht aber mal), mit Versteifung geht es hingegen stark auf den Rücken.

Zitat:
Viele Dinge gehen bei mir grundsätzlich noch, aber eingeschränkt, das heißt die Bewegung geht nicht mehr so "weit" wie vorher, oder ich kann sie nicht so lange halten, bzw es wird dann schmerzhaft. Beispielsweise kann ich problemlos etwas vom Boden aufheben ohne großartig in die Hocke zu gehen (soll man natürlich nicht *hust*) Aber ich kann es noch. Wenn ich aber 20 Sachen hinteinander vom Boden aufheben soll, tut das ganz schön weh irgendwann.

Ist bei mir auch so. Ich habe eben gerade z.B. Pflanzen umgetopft. Die sind so groß und schwer, dass ich sie nicht auf einen Tisch heben kann, also müssen sie kniend umgetopft werden. Machen andere Leute auch so. Allerdings musste ich alle halbe Minute aufstehen und kurz warten, bis ich weitermachen konnte, sonst wurde es zu schmerzhaft. Geschafft habe ich es letztendlich, dauerte natürlich länger.
So ist es bei mir bei vielen Sachen: geht, aber mehr Pausen nötig, anstrengender.

Zitat:
Ich kann beim Autofahren meinen Kopf für einen Schulterblick ganz gut drehen, ich kann auch noch Rückwärts ausparken usw. Soll ich aber einen 200m langen Weg rückwarts fahren und muss dabei kontinuierlich rückwärts schauen, wird das ziemlich unangenehm.

Bei mir aufgrund Versteifung bis Th3 stärker eingeschränkt, geht mir aber grundsätzlich genauso.

Zitat:
Wenn ich an einem Tisch sitze, und mir fällt ein Stift herunter, kann ich ihn im sitzen aufheben, wenn ich mit dem Stuhl nach hinten schieben kann. Geht das aber nicht, komm ich oft nicht mehr richtig hin.

Kenne ich. Wenn mir etwas runterfällt, stehe ich normalerweise auf. Schwieriger wird das in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus, Bahn oder Flugzeug: man kann nicht mal eben aufstehen, und vor einem ist ein Sitz.... Leute mit normal beweglicher Wirbelsäule machen da einfach ihren Rücken rund und kommen so runter, ich würde hingegen mit dem Kopf am Vordersitz anstoßen weil der Oberkörper nunmal gerade am Stück aus der Hüfte nach vorne gebeugt werden muss.
Wenn mir das in öffentlichen Verkehrsmitteln passiert, schiebe ich den Gegenstand zur Gangseite mit den Füßen durch und bitte darum, aufstehen zu dürfen.
In Flugzeugen achte ich darauf, einen Gangplatz zu erhalten, ansonsten kann ich mein unter den Vordersitz geschobenes Handgepäck nicht mehr erreichen. (Am Gangplatz knie ich mich in den Gang und ziehe es heraus.)
Zitat:
Drehbewegungen sind eingeschränkt; im normalen Alltag merke ich das wenig, da man sich einfach angewöhnt den ganzen Körper samt Hüfte zu drehen. Ist die Hüfte oder irgendein Körperteil fixiert, merkt man dass das ein Stückchen fehlt. Das fällt mir halt besonders beim Sport auf.

... oder beim Autofahren. Angeschnallt, oder selbst abgeschnallt aber in diesen typischen einen fixierenden Autositzen mich umdrehen geht nicht. Oder mich zwischen zwei Personen sitzend auf einer Bank umdrehen.

Zitat:
Ich kann nur noch begrenzt eine halb-sitzende halb-liegende Position einnehmen. Zb im Bett zu lesen, halb aufrecht mit vielen Kissen im Schulter- und Kopfbereich, wird nach wenigen Minuten recht unbequem. Da wird einfach eine Krümmung in der Wirbelsäule gefordert, die nicht mehr geht.

Bei meiner noch längeren Versteifung geht das gar nicht. Es sieht dann aus, als bringe man eine Schaufensterpuppe notdürftig in so eine Position. Die noch einigermaßen einnehmbaren Positionen werden bereits nach Sekunden schmerzhaft. Unangenehm sind für mich daher auch Liegestühle. Am besten liege ich flach, oder sitze aufrecht mit 90-Grad-Winkel zwischen Oberschenkeln und Oberkörper, oder größerem Winkel (Keilkissen).
Schwierig sind auch Positionen mit Stehen und Vorneüberbeugen - z.B. an einem normalen zum Sitzen gedachten Tisch stehend arbeiten. (Was ich nach Möglichkeit vermeide; aber typische Situation: bei Freunden eingeladen, man kocht zusammen, die Gäste sollen schon mal am Esstisch stehend Gemüse schnippeln.)

Zitat:
Was mir auf Dauer Schmerzen verursacht ist sehr niedrig zu sitzen, zb auf sehr tiefen Sofas, oder gar auf dem Boden. Kurz geht das schon, aber länger als 5 Minuten bleib ich nicht mehr auf dem Fußboden. Leute, die Tiefer als L2 oder L3 operiert sind, können das oft gar nicht mehr.

Kann ich bestätigen - niedrige Sofas gehen gar nicht mehr. Am Boden, nur auf einem Kissen, Sitzsack etc. auch nicht. Der optimale Stuhl für mich hat die Sitzfläche in der Höhe Abstand Füße zu Gesäß, und hat eine feste Sitzfläche.
Ich kann kurz (!) halb kniend am Boden sitzen, wenn ich keine Schuhe trage und die Hose sehr locker und nachgibig ist. Also z.B. zu Hause mit Jogginghose mal kurz etwas aus einem unteren Schrankfach holen. Dann stehe ich nach ein paar Sekunden wieder auf.
Mich mit Freunden zum Picknick in die Wiese setzen geht aber nicht ohne Campingstuhl. Ich käme auch nicht auf die Idee, an einer Haltestelle einfach auf den Stufen sitzend zu warten.
Gibt es keine für mich vernünftig nutzbare Sitzgelegenheit, stehe ich lieber (oder gehe beim Warten etwas hin und her), anstatt mich auf den Boden zu mühen.

Zitat:
Auch hab ich Probleme beim frei sitzen ohne Rückenlehne. Das ist bei vielen tief operierten glaub ich auch anders, denen fällt das häufig eher leicht. Ich hab halt unter der Versteifung noch ein deutliches Hohlkreuz, was mir die Sache glaub ich ziemlich erschwert. Bierbänke waren aber vor der OP auch überhaupt nicht mein Fall.

Da habe ich mit längerer/tieferer Versteifungsstrecke gar keine Probleme.
Mein Lieblingsstuhl hat nicht mal eine Rückenlehne, und ich kann darauf lange sitzen (z.B. Büroarbeit den ganzen Tag lang). Häufig lehne ich mich an Stühle mit Lehne auch nicht an. Ich brauche die Lehne nicht und habe oft den Eindruck, dass sie mich stört - nicht nur das hier:
Zitat:
Ich finde es unangenehm, mich an hölzerne/harte Stuhllehnen anzulehnen, da dann zu viel Druck direkt auf den Schrauben liegt.

sondern auch die Form, selbst wenn die Lehne weich gepolstert ist. Manche Lehnen haben ein sogenanntes "Lordosepolster", also einen Schwung in Bauchnabelhöhe, und nochmal einen an den Schultern. In diese Form passe ich nicht rein. Der obere Schwung presst meist meinen Nacken nach unten, der untere fühlt sich an wie eine Faust im Rücken.
Zitat:
Wenn ich im beispielsweise im Bett auf der Seite liege und einfach nur 40cm in eine Richung rutschen will, geht das "hinüberrobben" flach liegenderweise nicht mehr so richtig. Die schlängelbewegung die man dazu bräuchte fehlt, also muss man sich etwas umständlicher umplatzieren.

Das ist bei mir auch so. Ich stütze mich dann mit den Händen ab und "hopse" etwas zur Seite. So drehe ich mich auch nachts um.


Viele Grüße
Raven

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 Betreff des Beitrags: Re: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: Di 10. Mai 2016, 13:08 
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Nachtrag:
Allgemein empfinde ich die Bewegungseinschränkungen vergleichbar zu denen beim Korsetttragen (ungefähr die gleichen Dinge sind mühsam bzw. sind nur mit anderen Bewegungen erreichbar), aber weniger intensiv (nicht ganz so anstrengend wie mit Korsett).
Selber kenne ich den Vergleich zwischen Versteifung Th3 - L5 sowie zwei diesen Bereich abdeckenden Korsetts (also hoch und unten lang). Im Vergleich zu mit Korsett habe ich mit operativer Versteifung insbesondere mehr bzw. fast die volle Armfreiheit (es werden ja die Schultern nicht fixiert; nur Armbewegungen, die normalerweise starke BWS-Bewegungen erfordern wie deutliches und anhaltendes nach oben greifen sind erschwert). Knien und niedriges Sitzen ist etwas besser als mit Korsett möglich (da im Vergleich zum Korsett das Becken frei ist; was mit Korsett absolut mechanisch nicht ging, geht so nun mit viel Anstrengung und für kurze Zeit).

Allgemein empfinde ich meine Bewegungsfähigkeit größer als mit Korsett. Die Dinge, die ich bewegungstechnisch nicht gut kann, kenne ich allesamt schon vom Korsett.

Viele Grüße
Raven

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 Betreff des Beitrags: Re: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: Mi 11. Mai 2016, 16:43 
Hallo,

vielen Dank euch beiden für die ausführlichen Antworten.

Von den Einschränkungen, die ihr beschreibt, kommen mir jetzt schon einige bekannt vor. Schwere Sachen heben oder auch manche Haltung führt bei mir zu Schmerzen. Früher schmerzte es erst nach einer Weile, heute schon nach ein paar Minuten. Aber ich muss sagen, dass ich versuche mich rückengerechte zu verhalten und ich dann des öfteren angesprochen werde, ob ich am Rücken operiert worden sei. Nach der OP muss man dann sicher noch mehr auf seinen Rücken achten, um die restlichen gesunden Wirbel und Bandscheiben nicht zu sehr zu belasten und auf seinen Körper hören. Kann mir gut vorstellen, dass das am Anfang nicht so einfach wird.

Hatte diese Woche nochmals einen Termin beim Arzt um noch offene Fragen zu klären. Das hat mir dann doch noch ein bisschen die Angst genommen. Jetzt liegt es nur noch an mir ...

VG, N.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: Mi 11. Mai 2016, 17:27 
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Hallo,
Gast hat geschrieben:
Nach der OP muss man dann sicher noch mehr auf seinen Rücken achten, um die restlichen gesunden Wirbel und Bandscheiben nicht zu sehr zu belasten und auf seinen Körper hören. Kann mir gut vorstellen, dass das am Anfang nicht so einfach wird.

ganz am Anfang ist es sehr wichtig, genau auf den Rücken zu achten. Vieles geht aber anfangs sowieso nicht anders.
Später sind auch mal (!) Ausnahmen drin. Wenn ich mich ganz nach mir richten kann, verhalte ich mich sehr rückengerecht.
In Gruppen, insbesondere mit Jugendlichen/ jungen Erwachsenen kann ich das leider nicht immer, nicht weil es mir peinlich wäre, sondern weil die ganze Planung nicht darauf ausgelegt ist. (Wie oft man Pausen macht, welche Verkehrsmittel man nimmt etc. Bin auch letztens, um bei einer Abschlussfahrt im Studium dabei zu sein, mit Ryanair geflogen - würde ich privat nie machen -, und habe den Koffer über zig Bordsteine in der Altstadt gehoben - privat hätte ich mich mit dem Taxi zum Flughafen bringen lassen.) Bei Nebenjobs im Studium konnte ich natürlich auch nicht verlangen, dass für mich für die kurze Zeit alles so ergonomisch eingerichtet wird wie ich das z.B. zu Hause habe.
Ich überlege mir dann, ob das mal ausnahmsweise geht, und wenn es mal geht und mir die Sache selbst wichtig ist, dann mache ich mit (z.B. lange in einem Kino sitzen, ist für mich unangenehm, wenn das aber gerade der Kennenlernausflug in einer Gruppe ist, gehe ich schon mit, anstatt ansonsten schlechter in der Gruppe Anschluss zu finden; ich war auch als Jugendliche öfter beim Zelten dabei, was für mich nicht so angenehm ist, aber ich kann nun nicht verlangen, dass Freunde und Bekannte nur wegen mir ihren Geburtstag anders gestalten). Wenn es sportbetont wird (z.B. Betriebsausflug in den Klettergarten, nichts für mich) oder ein Mitanpacken verlangt wird (z.B. hebe ich garantiert nicht für andere Leute Koffer in die Bahn), lasse ich das sein.
Ich habe mir hier angewöhnt, klipp und klar zu sagen, dass ich etwas nicht kann/darf. Wenn jemand vernünftig fragt, nenne ich auch den Grund.

Viele Grüße
Raven

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 Betreff des Beitrags: Re: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: Mi 11. Mai 2016, 19:14 
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Hier kann ich mich wiederum Raven anschließen. Man muss größtenteils schon auf sich achten, bzw tut es nach einer Weile auch automatisch, weil man irgendwann weiß, was einem schlecht tut und was nicht. Aber Ausnahmen gehen, wenn sie nicht zu extrem sind. Manchmal nehm ich das dann auch wie Raven bewusst in Kauf.
Wenn ich weiß, dass es anstrengend wird zieh ich dann auch ganz gern meine Orthese an (die meine Überlastete Lendenwirbelsäule stützt), dann halt ich gleich etwas mehr aus. Auch mit Kinesiotapes kann man profilaktisch arbeiten und im schlimmsten Fall gibt es noch Schmerzmittel.. wobei die natürlich auch nicht mehr helfen, wenn man sich tatsächlich die Schrauben schrottet. ;-)

Am Anfang muss man noch sehr aufpassen um nicht aus Versehen eine falsche Bewegung zu machen oder mal eben den Getränkekasten zu tragen; aber mit der Zeit muss man da nicht mehr groß drüber nachdenken und es kommt nur sehr selten vor, dass man wirklich eine total falsche Bewegung "aus Versehen" macht. Wenn die Heilungsphase vorbei ist, ist man ja auch nicht mehr ganz so überempfindlich wie am Anfang.

Ich drück dir die Daumen dass du die richtige Entscheidung für dich triffst. Wobei ich, so wie sich das anhört, schon der Meinung bin dass eine OP bei deiner Symptomatik einen Versuch wert ist.

Alles Gute!

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 Betreff des Beitrags: Re: Zweifel an der OP
BeitragVerfasst: Sa 14. Mai 2016, 10:48 
Hi,

Wenn Ihr euch denn mal mit dem Rücken etwas überanstrengt, wie lange halten dann die Schmerzen an? Verflucht man es dann und ist anschliessend für 3-4 Tage zu Nichts zu gebrauchen oder halten sich die Schmerzen dann doch in Grenzen und es zwickt nur leicht?

Ich habe die Ärzte auch angesprochen was man dann später noch alles machen kann. Da heisst es dann immer nur " Alles was keine Schmerzen bereitet". So richtig weiterhelfen tut das ja nicht. Ist z. B. eine Wanderung mit leichtem Gepäck also ein Rucksack mit Verpflegung und Notfalljacke usw. noch möglich oder streikt da dann abends der Rücken?

Ist sicher nicht immer sehr einfach den Leuten zu vermitteln, dass man am Rücken operiert wurde. In der Regel kennt ja fast jeder jemanden der am Rücken operiert wurde. Nur die haben meisten ja keinen solchen Eingriff hinter sich gebracht.

Grüße N.


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